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Heiße Quellen, anspruchsvolle Trails und durch den Olympic Nationalpark

Am heutigen Morgen stand ich bereits um 6:30 Uhr auf. Ich wollte noch vor Sonnenaufgang zu den heißen Quellen zurückkehren, die wir am Vortag entdeckt hatten. Auf etwa 650 Metern Höhe war es am Morgen noch ziemlich frisch, weshalb ich mich zunächst warm anzog und anschließend den kleinen Singletrail hinunter zur zweiten und meiner Meinung nach am schönsten gelegenen heißen Quelle wanderte.

Dort angekommen, stieg ich ins warme Wasser und genoss, wie es langsam heller wurde und die ersten Sonnenstrahlen über die Berggipfel krochen. Da ich mich mitten in den Bergen befand, dauerte es deutlich länger, bis die Sonne tatsächlich über den umliegenden Gipfeln erschien. Die Stimmung war einfach traumhaft. Ich war vollkommen allein an diesem wunderschönen Ort, während die beiden Kanadier noch schliefen.

Nach knapp zwei Stunden in der heißen Quelle frühstückte ich dort gemütlich. Dafür hatte ich sogar meinen Campingstuhl mitgebracht, sodass ich mein Frühstück direkt am Wasser genießen konnte. Anschließend zog ich mich wieder an und machte mich auf den Rückweg zum Camp, um nach den beiden Kanadiern zu schauen. Genau in diesem Moment kamen sie mir entgegen. Sie erzählten mir, dass sie noch zu zwei weiteren heißen Quellen am Ende des Weges gehen wollten. Da es wenig Sinn ergeben hätte, jetzt allein zum Camp zurückzugehen, schloss ich mich ihnen kurzerhand an.

Gemeinsam folgten wir dem schmalen Pfad weiter durch die ursprüngliche Natur. Wir liefen an kleinen heißen Bachläufen entlang, kletterten unter umgestürzten Bäumen hindurch und erreichten schließlich eine wunderschön gelegene, fast versteckte heiße Quelle. Sie war deutlich heißer als die vorherige und lag mitten in dieser beeindruckenden Berglandschaft.

Es war ein besonderes Gefühl, mit zwei Gleichgesinnten, die ich erst am Vortag zufällig auf der Fähre kennengelernt hatte, nun gemeinsam dieses kleine Abenteuer zu erleben. Mitten in der Natur zu sitzen, umgeben von Bergen und Wäldern, während das Wasser ganz ohne menschliches Zutun aus der Erde heraus erwärmt wird, ist einfach faszinierend.

Anschließend besuchten wir noch eine weitere versteckte Quelle, in der wir ebenfalls eine Weile entspannten. Das Wasser war teilweise schlammig und von Algen durchzogen, doch gerade das machte den ursprünglichen Charakter dieser Orte aus. Den Quellen werden aufgrund ihrer Mineralien verschiedene gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Besonders beeindruckte mich jedoch die Tatsache, dass die Erde hier selbst für die Wärme sorgt. Niemand muss einen Whirlpool einschalten oder Energie aufwenden: Diese Quellen sprudeln seit Jahrhunderten, möglicherweise sogar seit Jahrtausenden, rund um die Uhr und das ganze Jahr über.

Irgendwann waren unsere Hände und Füße vom langen Baden schon ganz schrumpelig, und wir beschlossen, uns langsam auf den Rückweg zu machen. Schließlich wollten wir an diesem Tag noch einige Kilometer zurücklegen.

Zurück am Camp packte ich mein Zelt zusammen und verstaute meine gesamte Ausrüstung wieder in den Fahrradtaschen. Gegen 11:00 Uhr machten wir uns schließlich auf den Weg.

Die ersten Abschnitte hatten es allerdings direkt in sich. Der schmale Trail führte zunächst sehr steil bergab, anschließend durch einen kleinen Fluss und danach wieder steil bergauf. Der Weg verlief dabei teilweise so eng an einem steilen Hang entlang, dass wir besonders vorsichtig sein mussten. Immer wieder half mir einer der beiden Kanadier, mein schwer beladenes Fahrrad durch schwierige Passagen zu manövrieren.

Auch die umgestürzten Bäume, über die wir bereits am Vortag mein Fahrrad zu dritt gehoben hatten, stellten uns erneut vor Herausforderungen. Mit dem ganzen Gepäck ist mein Fahrrad für solche Abschnitte einfach nicht gemacht. Allein kann ich es kaum über größere Hindernisse heben, zumal es bereits ohne Taschen durch seinen Stahlrahmen relativ schwer ist.

Wir fuhren wieder entlang des großen, gefluteten Staudamms und mussten erneut einen größeren Baum überwinden, bevor wir dem schmalen Pfad weiter durch den Wald folgten.

Ursprünglich hatte hier einmal eine Straße verlaufen. Durch die Flutung des Staudamms war sie jedoch zerstört worden und wurde nie wieder aufgebaut. Stattdessen führt heute eine Umleitung über einen Wanderweg, der mit dem Fahrrad ausgesprochen schwierig zu bewältigen ist.

Zunächst ging es steil bergauf, bevor wir auf der anderen Seite wieder steil hinunter mussten. Wurzeln, große Steine und enge Kurven machten das Vorankommen zusätzlich schwierig. An manchen Stellen musste ich mein Fahrrad schieben, wobei Oliver und Sam mich abwechselnd oder gemeinsam unterstützten. Ohne ihre Hilfe hätte ich einige Passagen mit meinem voll beladenen Fahrrad kaum bewältigen können.

Umso größer war die Erleichterung, als wir die anspruchsvollen Singletrails schließlich hinter uns gelassen hatten und wieder auf einer asphaltierten Straße ankamen. Am Hauptparkplatz legten wir erst einmal eine Pause ein, atmeten durch und klatschten uns ab. Wir hatten diesen schwierigen Abschnitt gemeinsam gemeistert!

Dort trennten sich schließlich unsere Wege. Ich wollte auf der Highway 101 weiter Richtung Westen und anschließend nach Süden fahren. Die beiden Kanadier hatten dagegen vor, einen Mountainbike-Singletrail entlang der Küste zu nehmen.

Wir verabschiedeten uns herzlich voneinander. Ich bedankte mich bei ihnen dafür, dass sie mich auf ihr kleines Abenteuer mitgenommen hatten und mich bei den schwierigen Passagen so tatkräftig unterstützt hatten. Sie sagten mir, dass auch sie die gemeinsame Zeit sehr genossen hätten und es ihnen eine Ehre gewesen sei, dieses Abenteuer mit mir zu teilen.

Solche Begegnungen sind es, die meine Reise für mich so besonders machen. Menschen, die ich erst wenige Stunden zuvor kennengelernt habe, werden plötzlich zu Wegbegleitern, mit denen ich außergewöhnliche Erlebnisse teilen kann. Ohne sie hätte ich diesen Teil der Strecke vermutlich gar nicht in Angriff genommen.

Nach der Verabschiedung setzte ich meine Fahrt durch den Olympic Nationalpark fort. Schon bald erreichte ich den Lake Crescent, einen wunderschönen See, dessen Ufer von dichtem Wald umgeben war.

Die Straße schlängelte sich in zahlreichen Kurven entlang des Wassers. Besonders beeindruckten mich die Bäume am Ufer, deren Stämme und Äste von einer dicken Schicht Moos überzogen waren. Die gesamte Landschaft wirkte dadurch beinahe wie ein Dschungel. Gleichzeitig erinnerten die Bäume mit ihrer Form und ihrem Bewuchs an einen mitteleuropäischen Laubwald – eine faszinierende Kombination, die ich so noch nicht oft gesehen hatte.

Während ich dem See folgte, arbeitete ich mich Stück für Stück über weitere Höhenmeter. Die Landschaft blieb abwechslungsreich, und hinter jeder Kurve eröffneten sich neue Ausblicke auf den See und die bewaldeten Berge.

Schließlich erreichte ich den kleinen Ort Forks. In der Nähe eines Rastplatzes fand ich eine grüne Stelle, an der ich mein Zelt aufschlagen konnte.

Nach diesem langen Tag voller heißer Quellen, anspruchsvoller Trails, gemeinsamer Herausforderungen und beeindruckender Natur war ich ziemlich müde. Ich machte es mir in meinem Zelt gemütlich und ließ die Erlebnisse noch einmal Revue passieren, bevor ich erschöpft einschlief.