Durch Regen, Berge und eine unerwartete Begegnung
Am heutigen Morgen klingelte mein Wecker bereits um 4:00 Uhr. Die Sonne schimmerte gerade leicht durch die Wolken, und obwohl ich um diese Uhrzeit noch keinen großen Hunger verspürte, packte ich meine Sachen zusammen und machte mich langsam auf den Weg. Gegen 5:30 Uhr ließ ich den See hinter mir und fuhr in Richtung der Berge.
Noch bevor ich den ersten Bergkamm erreichte, begann es jedoch stark zu regnen. Zunächst zog ich nur meine Regenjacke an, doch wenig später mussten auch Regenhose und Regenschuhe aus den Fahrradtaschen. So fuhr ich mehrere Stunden durch den morgendlichen Regen. Einerseits war die Abkühlung durch den Regen angenehm, andererseits sammelte sich unter meiner Regenbekleidung schnell mein eigener Schweiß. Wirklich trocken blieb ich also trotzdem nicht.
Nach 60 Kilometern legte ich bereits gegen 9:00 Uhr meine erste größere Pause in einem 7-Eleven ein. Daran merkte ich, wie gut ich am frühen Morgen vorangekommen war. Anschließend ging es mit nur noch kleineren Schauern weiter durch das Tal in Richtung Gifu und schließlich immer tiefer hinein in die umliegende Bergregion. Die Regenjacke musste ich dabei immer wieder an- und ausziehen, während Regenhose und Regenschuhe dauerhaft anblieben – das ständige Wechseln wäre mir einfach zu umständlich gewesen.
Durch die dichte Bewölkung und den Regen blieben die Temperaturen mit ungefähr 25 Grad angenehm. Gleichzeitig war die Luft durch die hohe Luftfeuchtigkeit sehr schwül. Nach weiteren rund 40 Kilometern machte ich bei Kilometer 100 erneut Halt, diesmal in einem Lawson, wo ich etwas Pasta aß.
Die letzten 50 Kilometer führten mich dann immer weiter in die Berge hinein. Dabei passierte etwas völlig Unerwartetes: Mitten auf der Straße entdeckte ich plötzlich ein großes Insekt. Ich hielt sofort an, denn meine Neugier war geweckt. Vor mir saß eine beeindruckend große Gottesanbeterin.
Gerade als ein kleiner Bus auf der ansonsten ruhigen Straße näher kam, rettete ich sie vorsichtig aus dem Weg. Anschließend holte ich meine Kamera heraus, um diesen besonderen Moment festzuhalten. Die Gottesanbeterin schien selbst mindestens genauso neugierig auf mich zu sein wie ich auf sie. Sie betrachtete sogar ihr Spiegelbild in meiner Kameralinse und kletterte schließlich auf die Linse und von dort direkt auf mich.
Für einen kurzen Moment fühlte es sich tatsächlich so an, als wäre ich mitten in der Natur angekommen und ein Teil von ihr geworden. Solche kleinen Begegnungen sind für mich einer der schönsten Aspekte des Radreisens: Man weiß nie, was hinter der nächsten Kurve wartet.
Nach diesem besonderen Zwischenstopp fuhr ich noch einige Kilometer weiter durch die Berge und erreichte schließlich Ena. Dort versorgte ich mich bei einem 7-Eleven mit Toastbrot, Erdnussbutter, Bananen, einem süßen Gebäck und einer Fertigpasta. Eigentlich hätte ich gerne selbst gekocht, allerdings findet man in den kleinen japanischen Supermärkten häufig keine westlichen Nudeln. Und wenn es sie gibt, sind sie teilweise dreimal so teuer wie ein fertiges Gericht.
Ein paar hundert Meter weiter fand ich schließlich einen geeigneten Platz unter einer Brücke. Da für die Nacht erneut Regen angekündigt war, war dieser geschützte Schlafplatz ideal. Direkt neben meinem Zelt floss ein kleiner Bergbach, in dem ich mich noch kurz wusch. Das Wasser kam direkt aus den Bergen und war entsprechend frisch – aber nach einem langen Tag auf dem Fahrrad war die Abkühlung unglaublich angenehm.
Auch die Temperaturen am Fluss sanken am Abend deutlich. Zum ersten Mal seit längerer Zeit holte ich sogar wieder meinen Hoodie aus den Fahrradtaschen. Nach den vielen warmen Abenden der vergangenen Wochen fühlte sich die kühle Luft fast ungewohnt an.
Müde von den vielen Kilometern, dem Regen und den Höhenmetern kroch ich schließlich in meinen Schlafsack. Am nächsten Tag wartete eine noch härtere Etappe mit vielen Bergen auf mich.














