Just in Time – Raus aus Sydney und zurück in die Natur
Heute Morgen stand ich früh auf, denn für mich ging die Reise weiter. Ich machte mir noch mein Frühstück, packte meine Taschen und trug alles wieder ins Erdgeschoss. Bevor ich losfuhr, schmierte ich mich gründlich mit Sonnencreme ein. Gerade in Australien ist das extrem wichtig, da durch das Ozonloch die UV-Strahlung deutlich stärker ist und die Haut schneller gereizt wird.
Danach verabschiedete ich mich von meinem Warmshowers-Gastgeber Michael und bedankte mich herzlich für die vier Nächte bei ihm. Er war wirklich ein großartiger Gastgeber, und ich hatte eine sehr schöne Zeit dort.
Für mich ging es anschließend wieder hinein ins Großstadtgetümmel von Sydney. Über die Sydney Harbour Bridge fuhr ich diesmal ganz entspannt mit dem Fahrrad. Die Brücke besitzt auf einer Seite einen breiten Fußweg und auf der anderen Seite einen separaten Fahrradweg. In der Mitte rauschten Autos, LKWs und sogar die Metro entlang.
Die Vororte zogen sich noch lange an der Küste entlang. Da ich auf einer Halbinsel unterwegs war, musste ich unbedingt rechtzeitig die Fähre in Palm Beach erreichen. Am Morgen hatte ich bereits den Fahrplan gecheckt, doch unterwegs entdeckte ich auf der offiziellen Website eine Warnmeldung: Wegen Baggerarbeiten fuhren die Fähren aktuell nur eingeschränkt und mit verändertem Fahrplan. Statt regelmäßig fuhr die nächste Fähre nur noch um 12:00 Uhr und danach erst wieder um 14:00 Uhr.
Laut Google Maps war ich zu diesem Zeitpunkt bereits 13 Minuten zu spät. Eine andere Möglichkeit gab es nicht – ein Umweg hätte viele zusätzliche Kilometer bedeutet. Also entschied ich mich, noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren. Ampeln wurden plötzlich eher zu Empfehlungen und Berge in meinem Kopf nur noch zu kleinen Hügeln. Stück für Stück holte ich Zeit auf.
Irgendwann zeigte Google Maps nur noch 12:03 Uhr als Ankunftszeit an. Ich trat weiter in die Pedale und kam schließlich um 11:58 Uhr am Anleger an – genau in dem Moment, als die Rampe für die Fähre heruntergelassen wurde. Weil ich gerade noch rechtzeitig angekommen war, wurde die Rampe extra noch einmal für mich abgesenkt. Ich schob mein Fahrrad hinein, stellte es ab und keine Minute später legte die Fähre schon ab.
Ich hatte es tatsächlich just in time geschafft.
Nach diesem Sprint war ich völlig außer Atem und brauchte erst einmal eine Pause. Die 25-minütige Überfahrt durch die bewaldeten Buchten und Inseln war dafür genau richtig. In Patonga angekommen, wartete direkt der nächste Kraftakt: Über 200 Höhenmeter am Stück vom Hafen hinauf zum Pass.
Oben angekommen gönnte ich mir erst einmal eine Fanta, um meinen Zuckerhaushalt wieder etwas auszugleichen. Danach ging es weiter entlang von Stränden und kleinen Buchten, teilweise direkt am Pacific Highway entlang.
Langsam begann die Sonne tiefer zu stehen, und ich machte mich auf die Suche nach einem Schlafplatz. Schließlich wurde ich am Birdie Beach fündig. Ich baute mein Zelt in den Dünen auf, genoss die Stimmung des Sonnenuntergangs und kochte mir meine Pasta.
So ging ein erfolgreicher Tag zu Ende – hinaus aus dem Trubel der Großstadt und zurück hinein in die Ruhe und Schönheit der Natur.










