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Über Gravelpisten zurück zur Küste

Am Morgen stand ich erneut früh auf, da ich meine neue Routine beibehalten möchte, um möglichst gegen 8:30 Uhr starten zu können. Zum Frühstück bereitete ich mir Haferflocken mit Banane und Apfel zu. Anschließend packte ich meine Ausrüstung wieder sorgfältig an ihren Platz, baute mein Zelt ab, verstaute alles am Fahrrad und machte mich auf den Weg.

Die Strecke führte zunächst weiter ins Inland in Richtung der Berge. Heute ging es fast ausschließlich über Gravelpisten durch die Natur. Immer wieder führte der Weg entlang von Flüssen, Seen und durch eine beeindruckende Landschaft.

Plötzlich gelangte ich mit meinem Fahrrad auf eine Strecke, auf der gerade ein Triathlon stattfand. Während die Teilnehmer an mir vorbeifuhren, feuerte ich sie an. Kurz darauf fuhr ich ein Stück gemeinsam mit einigen Neuseeländern, die sich Fahrräder ausgeliehen hatten und ebenfalls den Singletrail nutzten. Wir unterhielten uns eine Weile und ich merkte einmal mehr, wie freundlich und humorvoll die Menschen in Neuseeland sind. Da wir jedoch ein unterschiedliches Tempo hatten, verabschiedete ich mich schließlich und setzte meine Fahrt allein fort.

Der Weg führte weiter hinauf in die Berge. Teilweise war der Singletrail sehr schmal, an anderen Stellen wiederum breit genug für Autos. Häufig wirkte die Umgebung beinahe subtropisch, und ich fuhr durch dichte, dschungelartige Vegetation. Diese ständige Abwechslung auf den kleinen Wegen macht mir besonders viel Spaß, auch wenn das Fahren dadurch deutlich anspruchsvoller ist.

Als ich schließlich die Passhöhe erreichte, traf ich einen Neuseeländer, der mir mit dem Fahrrad aus der entgegengesetzten Richtung entgegenkam. Wir unterhielten uns kurz, bevor er weiterfuhr. Kurz darauf kam eine weitere Radfahrerin vorbei, die einen Wanderrucksack hinten auf ihrem Fahrrad befestigt hatte. Auch mit ihr kam ich ins Gespräch. Sie stammt ursprünglich aus Deutschland, lebt jedoch schon länger in Australien und überlegt nun, nach Neuseeland zu ziehen. Eigentlich ist sie hauptsächlich zu Fuß unterwegs, hat sich jedoch entschieden, einige Strecken auch mit dem Fahrrad zurückzulegen.

Nach einem netten Gespräch setzte ich meine Fahrt fort. Hinter der Passhöhe ging es über weitere Hügel langsam, aber stetig bergab zurück in Richtung Küste. In einem kleineren Ort legte ich noch einmal eine Pause ein, aß ein Eis und trank einen Multivitaminsaft. Dort traf ich einen weiteren Deutschen, der in Kiel eine Ausbildung zum Schweißer macht. Er ist derzeit für eine praktische Zeit bei zwei Betrieben in Neuseeland, was offenbar durch ein EU-Programm gefördert wird. Auch mit ihm unterhielt ich mich eine Weile. Er war sehr beeindruckt von meiner Reise und erzählte, dass er nun selbst darüber nachdenke, einmal eine längere Fahrradtour zu unternehmen, da man auf diese Weise die Welt noch einmal ganz anders erlebt.

Als ich schließlich wieder an der Küste ankam, genoss ich den Blick auf die Tasmanische See und fuhr weiter in Richtung Greymouth. Dort erledigte ich noch einige wichtige Einkäufe, da ich in den kommenden Tagen nur an kleineren Supermärkten vorbeikommen würde.

Anschließend verließ ich die Stadt entlang des Flusses und fand einige Kilometer außerhalb erneut einen schönen Platz an einem Flussbett zum Übernachten. Dort konnte ich mich noch einmal im Wasser waschen. Leider waren die Stechmücken und Sandfliegen jedoch so zahlreich, dass ich mich stark einpacken musste und schließlich ins Zelt flüchtete.