Durch Nebel und Bergwelten bis Walter Peak
Um 6:30 Uhr stand ich auf. In der Nacht hatte es offenbar gefroren – auf meinem Zelt lag eine feine Eisschicht. Die Kälte hatte ich bereits gespürt, als ich nachts zusätzlich meine Daunenjacke anziehen musste. Der Campingplatz lag in Flussnähe, dichter Nebel hing über dem Tal und verstärkte die klamme Kälte noch.
In dieser mystischen Morgenstimmung fuhr ich gemeinsam mit dem australischen Paar weiter bis zu dem Punkt, an dem ich abgesetzt werden wollte. Wir verabschiedeten uns herzlich – wir hatten uns auf der Fahrt viel erzählt, und es war eine wirklich angenehme Begegnung gewesen.
Von dort aus begann eine Gravel-Strecke, die sich auf einem abgelegenen Trail durch die Berge schlängelte. Diese Route hatte mir mein Warmshowers-Gastgeber Biff in Christchurch empfohlen. Der Einstieg war jedoch alles andere als einfach: Wellblechpisten, grober Schotter und lose Steine machten das Vorankommen mühsam. Immer wieder versank ich leicht im Untergrund. So kämpfte ich mich zunächst rund 30 Kilometer durch eine zunehmend bergige Landschaft. Unterwegs begegneten mir einige Wanderer und auch ein paar Radfahrer.
Nach diesen ersten Kilometern erreichte ich den Mavora Lake – einen atemberaubend schönen See, dessen ruhige Oberfläche die umliegenden Berge klar widerspiegelte. Dieser Ort wirkte fast unwirklich still. Ich legte eine Mittagspause ein und genoss die Szenerie.
Anschließend führte der Weg weiter hinein in die Bergwelt. Zum Glück wurde der Untergrund nun deutlich besser fahrbar, und ein leichter Rückenwind unterstützte mich zusätzlich. Mit jedem Kilometer wurde die Landschaft spektakulärer. Ich befand mich in einer weiten, offenen Ebene, umgeben von majestätischen Bergen – ein Panorama, das mich tief beeindruckte.
Es war ohne Zweifel eine der schönsten Landschaften, die ich je gesehen habe. Die Weite, die Farben und die Einsamkeit erinnerten mich stark an meine Zeit in Tadschikistan – eines meiner bisherigen Reise-Highlights.
Mit einem dauerhaften Lächeln im Gesicht rollte ich über die Offroad-Pisten, staunend und dankbar für diesen Moment. Nach insgesamt 88 Kilometern erreichte ich schließlich Walter Peak. Dort buchte ich für den kommenden Nachmittag eine Fähre nach Queenstown.
Anschließend fuhr ich zu einem kostenlosen Campingplatz in wunderschöner Natur. Die Anlage war überraschend gut ausgestattet und bot eine beeindruckende Aussicht. Ich baute mein Zelt auf, und wenig später kam ein australischer Radreisender aus Melbourne hinzu. Wir tauschten uns lange über unsere Reisen aus und genossen die besondere Stimmung dieses Ortes.
Allerdings währte unser Zusammensitzen nicht allzu lange – die Sandfliegen wurden zunehmend lästig. Als es schließlich ganz dunkel war, zog sich jeder in sein Zelt zurück. Ein intensiver Tag zwischen Frost, Schotterpisten und grandioser Bergwelt ging zu Ende.













