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Per Anhalter nach Dunedin – neue Hoffnung für mein Knie

Der heutige Morgen stand unter einer klaren Mission: Ich musste nach Dunedin kommen. Bereits am Vorabend hatte ich mehrere Warmshowers-Hosts angeschrieben – und tatsächlich erhielt ich am Morgen positive Rückmeldungen. Adrian und seine Frau boten mir an, für ein paar Nächte bei ihnen unterzukommen. Das gab mir eine neue Perspektive. Nun musste ich es nur noch dorthin schaffen.

Der Besitzer des Campingplatzes half mir zunächst und nahm mich 15 Kilometer bis zum Supermarkt nach Hampden mit. Dort konnte ich endlich meine Essensreserven auffüllen. Eine Kassiererin schrieb mir freundlicherweise ein Pappschild mit der Aufschrift „Dunedin“, sodass ich mich anschließend bei 15 Grad und leichtem Nieselregen an die Straße stellte, um zu trampen.

Es war deutlich schwieriger als erwartet. Mehrere Pick-ups mit freien Ladeflächen oder leeren Anhängern fuhren vorbei – doch niemand hielt an. Nach zweieinhalb Stunden, als ich innerlich schon fast aufgegeben hatte, stoppte schließlich ein Pick-up. Der Fahrer, ein lebensfroher Rinderfarmer aus Dunedin, war unglaublich freundlich und nahm mich direkt bis vor die Haustür meiner Gastgeber mit. Während der Fahrt sprachen wir über alles Mögliche – über unser Leben, über Neuseeland und über das Weltgeschehen. Diese Begegnung gab mir einen authentischen Einblick in die Denkweise und Mentalität der Menschen hier.

Gegen 14:00 Uhr kam ich bei Adrian und seiner Frau an und wurde herzlich empfangen. Ich bekam ein kleines, gemütliches Zimmer in einem ausgebauten Schuppen im Garten – ausgestattet mit Bett, Heizung und allem, was ich brauchte. Kaum zehn Minuten nach meiner Ankunft traf zudem ein kanadisches Paar ein, das die beiden bei einer Wanderung kennengelernt hatten. Die beiden überlegen, ihren Ruhestand künftig halbjährlich in Neuseeland zu verbringen und waren noch auf der Suche nach dem passenden Ort. So entstand eine lebhafte Gesprächsrunde mit spannenden Themen und unterschiedlichen Perspektiven.

Später fuhr ich mit Adrian noch einmal in einen Supermarkt, um mich für die kommenden Tage einzudecken. Am Abend kamen zwei Freundinnen seiner Frau vorbei, und es gab Wraps mit Salaten, Gemüse, Chili con Carne und verschiedenen Dips – ein reich gedeckter Tisch und viele interessante Gespräche rundeten den Tag ab.

Doch das wichtigste Ereignis stand noch bevor: Wegen der Zeitverschiebung stellte ich mir den Wecker auf 2:00 Uhr nachts, um per FaceTime mit meinem Physiotherapeuten Torsten von Training und Therapie in Darmstadt zu sprechen, bei dem ich schon früher wegen Knieproblemen in Behandlung war. Die Hoffnung auf eine Ferndiagnose war groß.

Seine Einschätzung klang vertraut: Wahrscheinlich handelte es sich – wie schon bei meiner letzten großen Tour nach Singapur – um eine Faszienverklebung im Bereich der Kniescheibe, die durch die Spannung die Kniescheibe reizte. Auf seine Anleitung hin begann ich noch mitten in der Nacht, die betroffenen Stellen mit einem Golfball und mithilfe eines Hockers mit spitz zulaufenden Beinen gezielt zu bearbeiten, um Druck aufzubauen und die Verklebungen zu lösen.

Und tatsächlich: Bereits nach etwa 30 Minuten fühlte sich mein Knie spürbar freier und deutlich besser an als zuvor. Mit neuer Hoffnung legte ich mich wieder schlafen – gespannt darauf, wie es sich am nächsten Morgen anfühlen würde.