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Ankunft in Singapur

Am heutigen Morgen startete ich wieder zeitig aus meiner eher bescheidenen Unterkunft. Ich entschied mich bewusst gegen den direktesten Weg nach Singapur und wählte stattdessen eine landschaftlich schönere Route durch mehr Natur in Malaysia, bevor ich mich der großen Grenzstadt Johor Bahru näherte. Mit zunehmender Nähe zur Stadt nahm der Autoverkehr jedoch stark zu und wurde immer unübersichtlicher und stellenweise auch gefährlich.

Mehrfach landete ich plötzlich auf Express Highways, auf denen ich mit dem Fahrrad eigentlich nichts zu suchen habe. Alternative Routen waren jedoch kaum vorhanden, sodass ich mich entlang dieser Highways weiter Richtung Grenze bewegte. Etwa zwölf Kilometer vor dem Grenzübergang legte ich noch einmal eine Pause bei einem Seven-Eleven ein.

Am Grenzübergang selbst verlief alles grundsätzlich problemlos. Auf der singapurischen Seite dauerte es etwas länger, da ich ein Onlineformular ausfüllen musste. Dieses hatte ich bereits am Vortag begonnen, jedoch abgebrochen, weil mir fälschlicherweise eine Gebühr von über 60 Dollar angezeigt wurde. Tatsächlich war das Formular kostenlos. Die Rollerfahrer hinter mir reagierten geduldig und warteten verständnisvoll, während ich das Formular vor Ort ausfüllte.

Nach der Einreise begann in Singapur direkt das nächste Abenteuer: Ich fuhr zunächst erneut auf einen Express Highway, da ich davon ausging, dass dies der direkte Weg Richtung Marina Bay sei. Wenige Minuten später hielt mich die Polizei an und forderte mich auf, die nächste Ausfahrt zu nehmen. Ich nahm schließlich erst eine spätere Ausfahrt, um einen größeren Umweg zu vermeiden. Die Fahrt auf dem mehrspurigen Highway mit LKWs, Ein- und Ausfahrten war nicht ungefährlich, doch dank meiner Erfahrung im Straßenverkehr kam ich sicher durch.

Vom Grenzübergang im Norden Singapurs fuhr ich insgesamt rund 30 Kilometer bis zur Marina Bay. Gegenüber des Areals befindet sich ein großer Park mit breiten Fahrradwegen und freiem Blick auf die Marina Bay Sands. Dort erreichte ich für mich offiziell mein Ziel Singapur. Weiter südlich ging es nicht mehr – dort beginnt direkt das Meer, vor dessen Küste zahlreiche Containerschiffe ankerten.

Ich setzte mich zunächst auf eine Bank und ließ den Blick über die Skyline schweifen. Aufgrund der Mittagshitze von etwa 35 °C und der extremen Luftfeuchtigkeit war das Genießen jedoch eingeschränkt. Zudem hatte ich großen Durst und kaum noch Wasser. Also fuhr ich weiter durch den Marina Bay Park, vorbei an neugierigen Touristen, erneut kurz über Express Highways und schließlich auf erlaubten Straßen Richtung Norden.

Gerade noch rechtzeitig vor einem Regenschauer erreichte ich bei Sonnenuntergang meinen Warmshowers-Host in Woodlands im Norden Singapurs. Gemeinsam gingen wir zunächst in der Nähe essen – für singapurische Verhältnisse überraschend günstig. Anschließend erledigte ich einen Großeinkauf für die nächsten Tage. Für rund zehn Euro gönnte ich mir viele Dinge, auf die ich während des Radfahrens monatelang verzichtet hatte.

Dass ich nun offiziell am Ende meiner diesjährigen Reise angekommen bin, kann ich noch immer kaum fassen. Wirklich realisieren werde ich es vermutlich erst wieder in Deutschland. Wenn ich auf meine Statistik blicke – 20.175 Kilometer, 162.000 Höhenmeter, neun Monate unterwegs und 22 durchquerte Länder – wirkt alles fast surreal.

Ein kleines Bonusziel gibt es allerdings noch in den kommenden Tagen. Wohin es geht, verrate ich aber noch nicht. Müde und mit einem seltsamen Gefühl des Ankommens ging es schließlich ins Bett.