Begegnungen, Reparaturen und ein unerwarteter Kirchenabend
Heute Morgen wachte ich erneut ausgeschlafen auf und frühstückte gemeinsam mit meinen Gastgebern. Dabei unterhielten wir uns sehr angenehm, bevor ich mich anschließend auf den Weg zu einem etwa zehn Kilometer entfernten Fahrradladen machte. Ziel war es, mein Tretlager zu wechseln, das seit vielen hundert Kilometern deutliche Geräusche von sich gab.
Der Mechaniker wusste sofort, was zu tun war. Er baute das Tretlager aus, wartete das alte – welches noch reparabel war –, setzte anschließend alles wieder fachgerecht ein und gab mir das alte Tretlager als Ersatzteil mit. Bereits am Vortag hatten wir alles telefonisch besprochen: Er wusste genau, welches Fahrrad ich fahre, und hatte die passenden Teile vorbereitet. So blieb mir eine unnötige Hin- und Rückfahrt erspart.
Nachdem die Reparatur abgeschlossen war, aß ich zu Mittag, pflegte meinen Blog in meine Website ein und überarbeitete mehrere Texte. Am Nachmittag boten mir meine Gastgeber an, sie in die Kirche zu begleiten. Da sie stark katholisch geprägt sind und ich Religionen generell offen und interessiert begegne, nahm ich die Einladung gerne an.
Der Kirchenbesuch überraschte mich positiv. Die Atmosphäre war deutlich entspannter und lockerer als in katholischen Kirchen, die ich aus Deutschland kenne. Zu Beginn wurden christliche Lieder gesungen, anschließend folgten mehrere Beiträge mit Bezug zu Gott und zur Bibel. Besonders interessant fand ich die persönlichen Einblicke in verschiedene Lebensphasen der Menschen, die dort von ihren Erfahrungen berichteten.
Eigentlich hatte ich geplant, nach dem Gottesdienst zu Fuß zurück zum Haus meiner Gastgeber zu gehen, da diese noch anderweitig verabredet waren. Meine Pläne änderten sich jedoch spontan: Ich kam mit einem Amerikaner ins Gespräch, der ebenfalls Teil der Gemeinde ist und im Großraum Kuala Lumpur lebt. Wir unterhielten uns ausführlich über das Radfahren und über Fotografie – zwei Hobbys, die wir beide teilen. Aus dem kurzen Austausch wurden schließlich fast zwei Stunden intensives Gespräch.
Meine Gastgeber hatten mir vorsorglich bereits ihren Hausschlüssel gegeben, damit ich später selbstständig zurückkehren konnte. Da das Gespräch jedoch länger dauerte als erwartet, fuhren sie schließlich mit dem Auto vorbei, sahen mich dort stehen und nahmen mich kurzerhand mit, damit ich nicht vor verschlossener Tür stehen würde.
So entwickelte sich ein zunächst skeptisch erwarteter Kirchenbesuch zu einer sehr bereichernden Erfahrung mit tiefgehenden Gesprächen und einer Begegnung, die ich so nicht vorausgesehen hatte. Am Abend packte ich schließlich bereits meine Sachen zusammen, um am nächsten Morgen ohne Zeitdruck früh aufbrechen zu können.


