Ein langer Tag auf dem Highway – Routine, Sonne und ein unschönes Erlebnis
Heute Morgen ging es wieder früh aus meiner Unterkunft, um möglichst viel Strecke auf dem Highway zurückzulegen. Der Tag begann recht unspektakulär. Kilometer für Kilometer fuhr ich durch die flache, grüne Landschaft, die nur von kleinen Hügeln unterbrochen wurde. Immer wieder musste ich aufmerksam bleiben, wenn Pick-ups oder LKWs dicht an mir vorbeirauschten.
Nach rund 50 Kilometern legte ich meinen ersten Stopp bei einem 7-Eleven ein – dort findet man in Thailand meist die beste Auswahl an Lebensmitteln für unterwegs. Anschließend ging es weiter auf der Hauptstraße. Ich passierte immer wieder verzierte Eingangstore zu Dörfern, kleine buddhistische Tempel und ruhige Siedlungen entlang der Strecke.
Da die Landschaft recht gleich blieb und es kaum Abwechslung gab, hörte ich nach meiner Mittagspause – natürlich wieder mit Reis, Gemüse und Ei – beim Fahren etwas Musik. Später wechselte ich auf Podcasts, weil mich Musik nach einiger Zeit eher stört. Die Sonne brannte mittags stark, aber ich bin die Hitze hier mittlerweile gewöhnt. Mit dem Ende der Regenzeit nimmt in Zentral-Thailand auch die Luftfeuchtigkeit spürbar ab – sie ist noch da, aber nicht mehr so erdrückend wie zuvor.
Nach einem letzten kleinen Stopp bei Kilometer 130 führte mich der Weg über einige ländliche Nebenstraßen in Richtung der nächsten Stadt, in der ich übernachten wollte. Auf dem Weg hielt plötzlich ein Thailänder auf einem Motorrad mit Beiwagen neben mir an und signalisierte, dass ich stehen bleiben solle. Da mich viele Menschen auf meiner Reise schon freundlich angesprochen oder um Fotos gebeten hatten, hielt ich an – in Erwartung eines kurzen, netten Gesprächs.
Doch schnell merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Der Mann schien irritiert von meinem Radoutfit und meiner Erscheinung. Als er mir dann an den Arm fasste und kurz darauf an die Stelle meiner Radhose griff, wo sich mein Genitalbereich befindet, war der Moment für mich sofort unangenehm. Beim ersten Mal dachte ich noch, es sei ein Versehen – doch als er dieselbe Bewegung wiederholte, wurde mir klar, dass es keines war. Ich wies ihn deutlich ab und machte klar, dass ich das nicht möchte, und fuhr weiter.
Erst als ich wieder auf dem Rad saß, wurde mir bewusst, wie verstörend und übergriffig diese Situation gewesen war. Es war das erste Mal auf meiner gesamten Reise, dass ich sexuell belästigt wurde – eine Erfahrung, die mich wirklich traf. Ich hätte ihn im Nachhinein am liebsten laut angeschrien, um klarzumachen, dass so etwas nicht akzeptabel ist. Doch in dem Moment reagierte ich zurückhaltend – vielleicht auch, weil ich nicht wusste, wie er reagieren würde oder ob er Waffen oder Werkzeuge dabeihatte.
Ich habe die Szene als Lehre für mich mitgenommen: In Zukunft würde ich mich deutlich lauter und bestimmter wehren. Gewalt ist keine Lösung, aber klare, laute Worte können schützen.
Sexuelle Belästigung trifft leider nicht nur Frauen, sondern auch Männer – und niemand sollte so etwas still hinnehmen. Ich möchte daher auch hier appellieren: Egal, wo man ist und welches Geschlecht man hat – holt euch Hilfe, wenn euch so etwas passiert. Es ist niemals in Ordnung und darf nie toleriert werden.
Zum Glück blieb es bei dieser einen unangenehmen Situation, und ich konnte meine Fahrt fortsetzen. In Lahan Sai angekommen, suchte ich mir eine Unterkunft – ein großer Bungalow, eigentlich viel zu groß für mich allein, aber das Einzige, was im Dorf verfügbar war. Danach aß ich in einem kleinen Restaurant gegenüber, kaufte im Kiosk noch etwas für den nächsten Morgen ein und legte mich nach diesem langen, emotional aufwühlenden Tag erschöpft, aber dankbar ins Bett.





