Tag
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Kleine Schmerzen, große Hitze und ein gutes Timing


Heute Morgen hatte ich meinen Wecker wieder auf 6:00 Uhr gestellt – doch wie schon an manchen Tagen zuvor hörte ich ihn einfach nicht. Erst um 7:15 Uhr wachte ich auf, ärgerte mich kurz, blieb aber ruhig und packte konzentriert meine Sachen zusammen. Nachdem alles am Fahrrad montiert war und ich mich noch schnell mit Sonnencreme eingeschmiert hatte, ging es – wieder einmal ohne Frühstück – los.

Mein Frühstück, das ich etwa zweieinhalb Kilometer später einnahm, bestand erneut nur aus einer Packung Oreo-Kekse. Nicht gerade die gesündeste Wahl. Ich nahm mir fest vor, das in den nächsten Tagen zu ändern und morgens gleich nach dem Aufstehen etwas Richtiges zu essen. Allerdings bin ich momentan oft zu faul, am Abend noch etwas vorzubereiten.

Zum Mittagessen gab es wie gewohnt Reis mit Ei – einfach, vertraut und immer zuverlässig. Trotzdem wünsche ich mir, dass sich die Supermarktsituation in den nächsten Ländern verbessert. In Vietnam gibt es in den kleinen Läden meist nur süße Snacks und ungesunde Produkte, während auf den Märkten zwar frisches Obst verkauft wird, aber meist nur in großen Mengen. Ich brauche keine ganze Bananenstaude mit 25 Stück, sondern vielleicht nur fünf bis zehn kleine Bananen. Hier sind die Früchte ohnehin kleiner, dafür aber umso süßer und aromatischer – direkt vom Baum, oft nur wenige Straßen entfernt.

Der weitere Weg verlief unspektakulär, aber typisch für Vietnam: rauchende Müllhaufen, geschäftige Menschen, die ihrer Arbeit nachgehen, und überall Wasserbüffel, die friedlich auf den Feldern grasen. Nach rund 100 Kilometern machte sich dann mein Po deutlich bemerkbar – ein Schmerz, den ich lange nicht mehr kannte. Nach so vielen Monaten auf dem Sattel dachte ich eigentlich, ich sei abgehärtet. Vielleicht spüre ich noch die Nachwirkungen der stressigen Woche in Deutschland, oder mein Körper muss sich erst wieder an die langen Etappen gewöhnen. Ich nahm mir vor, die Pflege meiner Fahrradhose in den nächsten Tagen noch ernster zu nehmen: gründlich mit Desinfektionstüchern reinigen, um Salz, Schweiß und Reibung in den Griff zu bekommen.

Ein Highlight des Tages war eine kleine Geste der Freundlichkeit: Ein junger Mann schenkte mir unterwegs eine Flasche Wasser – bei dieser Hitze wirklich Gold wert. Kurz darauf sah ich eine Wasserbüffelherde, die sich genüsslich im Wasser eines überschwemmten Feldes abkühlte. Für einen Moment überlegte ich, mich einfach dazuzulegen – eine verlockende Vorstellung.

Mit zunehmenden Sitzschmerzen wechselte ich auf den letzten Kilometern immer wieder zwischen Sitzen und Stehen im Sattel, bis ich schließlich den Bàu Sen Lệ Thủy See erreichte. Auf Google Maps war dort keine Unterkunft eingetragen, aber aus Erfahrung weiß ich mittlerweile, dass das in Vietnam wenig heißt. Entlang der Hauptstraßen findet man fast immer etwas.

Gerade, als ich bei einem kleinen Hotel ankam, fing es wie aus Eimern an zu schütten. Ich hatte aber Glück: Ich war rechtzeitig im Trockenen. Mein Fahrrad und die Taschen wurden zwar klitschnass, ich selbst blieb verschont – perfektes Timing. Wenig später ließ der Regen nach, und ich brachte meine Taschen aufs Zimmer, während ich das Fahrrad im Hinterhof abschloss. Hoffentlich steht es morgen früh auch noch dort.