Ha-Giang-Loop – Tag 3: Über den Wolken zurück nach Ha Giang
Der letzte Tag des Ha-Giang-Loops begann für mich sehr früh. Zum Frühstück gab es einfache Reisnudeln, die ich mir bereits am Vortag in einem kleinen Dorfladen besorgt hatte. Praktisch war auch, dass meine Unterkunft ebenerdig lag – so konnte ich das Fahrrad unkompliziert vorbereiten, Taschen verstauen, die Kette ölen und noch schnell Sonnencreme auftragen. Um 7:30 Uhr war ich startklar.
Gleich zu Beginn wartete ein 900 Höhenmeter hoher Anstieg. Zunächst fuhr ich noch unter der Wolkendecke, dann mitten hindurch, bis ich schließlich über den Wolken weiterradelte. Dort oben zu fahren war ein magisches Gefühl. Unterwegs gab es mehrere Flussdurchquerungen, die durch den starken Regen in der Nacht entstanden waren. Bei einer zögerte ich zu lange – und stand plötzlich mit einem Schuh im Wasser. Der blieb für den Rest des Tages triefend nass, doch bei der feuchtwarmen Luft störte es nicht allzu sehr.
Oben am Pass wurde ich mit einem großartigen Ausblick auf endlose Reisterrassen belohnt. Wie so oft traf ich eine Gruppe Motorradfahrer, die mich ungläubig bestaunten. Ihre aufmunternden Worte gaben mir zusätzliche Energie für die nächsten Kilometer. Die folgende Abfahrt führte mich steil hinunter, vorbei an Bananenstauden und den Reisterrassen, bis ins nächste Tal. Dort kehrte ich zum Mittagessen ein – just in dem Moment, als der Dorfmarkt gerade abgebaut wurde. Schade, das Treiben hätte ich gerne erlebt.
Nach der Pause stand der nächste Anstieg an, diesmal über 600 Höhenmeter. Die Passagen waren wieder extrem steil und schweißtreibend, besonders als die Sonne hervortrat. In der Nähe des Äquators ist ihre Kraft noch einmal intensiver, und ich schwitzte wie in einer Sauna. Meine Radkleidung war nach den letzten Tagen ohnehin komplett durchtränkt, und gegen Ende spürte ich das Scheuern meiner Hose deutlich an den Innenschenkeln.
Dann wechselte die Straße plötzlich von Asphalt auf eine holprige Schotterpiste. Mit den steilen Auf- und Abfahrten eine zusätzliche Herausforderung. 30 Kilometer vor Ha Giang brauchte ich noch einmal einen Motivationsschub – also Musik auf die Ohren und ein paar Softdrinks zur Stärkung. Damit kam die Energie zurück.
Die letzten Kilometer führten über eine Hügellandschaft zurück nach Ha Giang, wo ich drei Tage zuvor gestartet war. Am Ende standen 105 Kilometer und 2.500 Höhenmeter auf dem Tacho – und damit insgesamt rund 300 Kilometer und 7.000 Höhenmeter in drei Tagen.
Erschöpft, aber glücklich, checkte ich wieder in meiner Unterkunft ein, wo ich zuvor einen Teil meines Gepäcks gelassen hatte. Eine Dusche und der klimatisierte Raum waren ein Segen. Mit unvergesslichen Eindrücken von einer der härtesten, aber schönsten Strecken meiner bisherigen Reise fiel ich todmüde ins Bett.







