Tag
1

Ha-Giang-Loop – Tag 2: Zwischen Wolken, Steigungen und Abfahrten


Die Nacht über regnete es ununterbrochen – meine Entscheidung, im Homestay zu übernachten, war also goldrichtig. Pünktlich um 8 Uhr hörte der Regen auf. Da ich bereits alles gepackt hatte, musste ich nur noch aufs Rad steigen und konnte direkt starten.

Zunächst ging es den Berg weiter hinauf, den ich am Vortag schon ein großes Stück erklommen hatte. Nach 400 Höhenmetern erreichte ich den Gipfel auf 1.500 Metern. Oben hing ich mitten in den Wolken, leichter Sprühregen setzte ein. Da die Tropfen angenehm kühlten, verzichtete ich auf die Regenkleidung – die feuchtwarme Luft war ohnehin schweißtreibend genug.

Auf einem Plateau in rund 1.300 Metern Höhe führte mich die Route etwa 70 Kilometer durch eine Landschaft voller extremer Auf- und Abstiege. Ständig wechselten sich mehrere hundert Höhenmeter steil bergauf und ebenso steil bergab ab. Anders als am Vortag, an dem große, lange Anstiege dominierten, waren es heute viele kleinere Hügel.

Die Natur war überwältigend: spitz geformte, sattgrüne Berge, tief eingeschnittene Täler, Flüsse, die sich durch enge Schluchten wanden, und dramatisch wirkende Wolken, die über den Bergen hingen. Trotz aller Anstrengungen hat sich der Ha-Giang-Loop für mich schon jetzt mehr als gelohnt.

Auch heute dachte ich mir: Mit dem Fahrrad ist dieser Rundkurs eigentlich nur für extrem gut Trainierte geeignet. Fast jeder nimmt hier den Motorroller – und ich kann es verstehen. Kaum jemand ist so verrückt wie ich, sich mit Gepäck die Steigungen von teils über 10 % über mehrere Kilometer hinweg hochzuquälen.

Unterwegs hielt ich am alten Königspalast, der sich jedoch als eher unspektakulär herausstellte. Ein schlichtes, nur minimal verziertes Gebäude ohne große historische Tiefe. Da haben mich so manche Tempel in Tibet oder entlegene Klosteranlagen landschaftlich deutlich mehr beeindruckt.

Am Ende des Tages begegnete ich wieder einigen Motorradgruppen, die mich bereits am Vortag angefeuert hatten. Ihre Freude war groß, mich erneut auf der Strecke zu treffen – zumal ich sogar noch vor ihnen in einem der Täler ankam.

Nach dem letzten langen Anstieg konnte ich den Tag mit einer wunderschönen Abfahrt bei Abendsonne ausklingen lassen. Die Straße schlängelte sich von einem Hochplateau hinunter nach Mau Due. Dort stärkte ich mich mit einem Abendessen und checkte die Wetter-App. Leider erneut schlechte Nachrichten: Mehrere Stunden mit über 5 mm Regen waren vorhergesagt – viel zu viel, um im Zelt trocken zu bleiben. Also entschied ich mich wieder für ein Homestay.

Für 6,50 € bekam ich diesmal ein sauberes Zimmer, sogar mit Klimaanlage – perfekt, um mich für den morgigen Tag zu erholen. Schließlich möchte ich in Bestform den Ha-Giang-Loop abschließen und nach Ha Giang zurückkehren. So ging es früh ins Bett.