Ha-Giang-Loop – Ein erster Tag voller Höhenmeter
Heute startete ich früh in den Tag, da ich noch meine Taschen für den Rundkurs fertig packen musste. Währenddessen regnete es draußen, doch pünktlich zum Losfahren hörte es auf – perfektes Timing.
Der Beginn der Strecke war noch relativ flach, doch das änderte sich schnell am ersten Anstieg: von 100 Metern in Ha Giang ging es bis auf 1.150 Meter hinauf. Unzählige Serpentinen mit einer konstanten Steigung von über 10 % führten durch den Dschungel. Immer wieder überholten mich die gleichen Motorradgruppen, die mich anfeuerten und feierten, was ich da tat. Da sie öfter Pausen machten, holte ich sie jedes Mal wieder ein – so kannten wir uns bald gegenseitig. Und ehrlich gesagt: ich verstehe gut, warum 99,9 % der Leute hier mit dem Roller fahren. Die Anstiege sind brutal.
Doch die Mühe wurde belohnt: je höher ich kam, desto spektakulärer wurde die Aussicht. Grün bewachsene, kuppelartige Berge reihten sich aneinander, ein Panorama, das mir trotz aller Anstrengung ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Nach zwei langen Bergen und mehr als 1.700 Höhenmetern gönnte ich mir um 15:30 Uhr ein verspätetes Mittag- und gleichzeitig frühes Abendessen. Die Stärkung war dringend nötig. Trotzdem entschied ich mich, auch den nächsten Berg noch in Angriff zu nehmen. Am Fuß des Anstiegs lag eine große Schule. Viele Kinder waren gerade auf dem Heimweg und liefen ein Stück mit mir den Berg hinauf. Während ich mich mit über 15 % Steigung quälte, joggten sie locker neben mir her. Ich feuerte sie an, nicht aufzugeben, bis sich unsere Wege wieder trennten.
Ein weiteres Highlight erlebte ich in einem kleinen Dorf: eine Gottesanbeterin kletterte an meinen schlammigen Reifen und „tanzte“ dort. Ich filmte kurz, beobachtete das faszinierende Tier, setzte es dann aber wieder sicher in den Dschungel zurück.
Als die Dämmerung einsetzte, suchte ich nach einem Platz zum Zelten. Doch angesichts der hohen Luftfeuchtigkeit und des angekündigten Starkregens entschied ich mich gegen das Zelt. Ein Homestay im nächsten Ort war die deutlich bessere Wahl – auch weil die feuchte Wärme unter einer Zeltplane kaum erträglich gewesen wäre.
Am Ende standen unglaubliche 2.500 Höhenmeter und 109 Kilometer auf dem Tacho. Ein erster, extrem fordernder, aber wunderschöner Tag auf dem Ha-Giang-Loop ging zu Ende.








