Tag
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Regenfahrt nach Ha Giang und Vorfreude auf den berühmten Loop 
 
 
Die ganze Nacht über hatte es geregnet, und auch am Morgen wollte der Himmel nicht aufklaren. Eigentlich wollte ich früh losfahren, doch der Starkregen zwang mich dazu, anderthalb Stunden zu warten. Als es schließlich nur noch leicht nieselte, zog ich meine Regenklamotten an und machte mich auf den Weg. 
 
Das Fahren im warmen Regen bei knapp 30 Grad fühlte sich merkwürdig an – fast so, als könnte man auch in Badehose unterwegs sein. Ich wählte zunächst eine kleine Nebenstraße auf der anderen Flussseite, die durch verwinkelte Dörfer führte. Dort erlebte ich ein magisches Dorfleben: aus vielen Häusern erklang traditionelle vietnamesische Musik, Menschen winkten mir freundlich zu – und trotz des schlechten Wetters lag eine besondere Herzlichkeit in der Luft. 
 
Die Wege selbst waren allerdings katastrophal. Durch den langen Regen hatten sich riesige Pfützen und Schlammlöcher gebildet, Asphalt war kaum vorhanden. Ich fuhr vorsichtig, als plötzlich direkt neben mir ein Handy klingelte. Es lag im Schlamm – vermutlich war es einem Motorradfahrer aus der Tasche gefallen. Ich brachte es zum nächsten Haus, wo eine freundliche Vietnamesin es entgegennahm und sich herzlich bedankte. 
 
Als ich nach einigen Kilometern wieder auf die Hauptstraße kam, klopfte ich mir und dem Rad erst einmal den Schlamm ab. Dann stand der einzige große Pass des Tages bevor. Oben angekommen, eröffnete sich mir eine phänomenale Aussicht: dichter Dschungel und dahinter eine endlose Kette von Bergen. Danach ging es in ein angenehmes Auf und Ab. Viele kleine Anstiege und Abfahrten, die weder mich völlig verausgabten noch meine Bremsen überlasteten. 
 
Je näher ich Ha Giang kam, desto dichter wurde allerdings der Verkehr. Vor allem die Reisebusse rasten wie verrückt, sodass ich ständig aufpassen musste. Nach knapp 130 Kilometern erreichte ich schließlich die Stadt. Der Regen hatte wieder eingesetzt, und die Dämmerung brach herein. Ich suchte mir schnell eine Unterkunft, um dort noch einen Ruhetag einzulegen. 
 
Denn vor mir wartet nun der berühmte Ha Giang Loop – eine der schönsten Routen Vietnams und vielleicht ganz Südostasiens. 99 % der Reisenden fahren ihn mit dem Motorroller. Ich werde ihn mit dem Fahrrad in Angriff nehmen. Verpflegung wird es unterwegs genug geben, aber es wird ein kleines großes Abenteuer – eines, das mich garantiert an meine Grenzen bringen wird.