Tag
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Von Dali in den Dschungel


Heute Morgen kam ich später los, als geplant. Irgendwie brauchte ich für alles etwas länger – doch da ich keinen Zeitdruck hatte, war das halb so schlimm. Zunächst schlängelte ich mich durch das Straßengewirr von Dali. Plötzlich fuhr ein Tanklaster neben mir her und sprühte feinen Nebel in die Luft – meine spontane Morgendusche samt Dampfbad. Diese Sprühaktionen sollen den Staub in der Luft binden.

Als ich die Stadt hinter mir gelassen hatte, kam direkt der erste Hügel. Oben angekommen, ging es wieder bergab – nur um kurz darauf den nächsten Anstieg in Angriff zu nehmen. Mit jedem Kilometer wurde die Vegetation dichter und tropischer: exotische Vögel zwitscherten, Insekten zirpten, und auch die Bäume erinnerten immer mehr an einen Dschungel. Nur die hohe Luftfeuchtigkeit fehlte noch – ich befand mich schließlich immer noch auf über 2000 Metern Höhe. Doch je tiefer ich in den nächsten Tagen komme, desto schwüler wird es wohl werden.

Nach rund 1500 Höhenmetern und knapp 120 Kilometern bog ich von der Hauptstraße auf einen kleinen Feldweg ab. Zunächst säumten Maisfelder den Weg, doch schon bald wurde das Grün dichter und wilder. An einem ausgetrockneten Wasserlauf, der hoch am Berg lag, fand ich schließlich einen schönen Platz mit weiter Aussicht ins Tal. Dort baute ich mein Zelt auf, genoss den Sonnenuntergang, erledigte meine Abendroutine – und kroch dann zufrieden ins Bett.