Zwischen magischen Wolken, Regen und einer warmherzigen Geste
Nachdem ich im Trockenen gut geschlafen hatte, startete ich früh bei Sonnenaufgang – der Regen war wieder für den Mittag angesagt. Auf über 3.000 m fuhr ich zunächst durch die Wolken und über einige kleinere Anstiege, bevor ich in ein Tal kam, in dem ein Naturpark mit einem strahlend blauen See lag. Hier wimmelte es nur so von Touristen, die unzählige Fotos machten. Auf dem Abschnitt zwischen See und Besucherparkplatz erlebte ich eine wahre Nervenprobe: Über 250 Reisebusse überholten mich, während ich mich zwei Berge hinaufkämpfte. Ständig hatte ich einen Bus im Rücken – Stress pur.
Oben angekommen folgte die lange Abfahrt hinunter nach Lijiang. Die rasante Fahrt ins Tal tat unglaublich gut. In der großen, aber sehr touristischen Stadt hielt ich mich nicht lange auf, aß lediglich zu Mittag und setzte meinen Weg fort. Mehrere Hügel lagen noch zwischen mir und der letzten Stadt vor dem nächsten großen Anstieg. Eigentlich wollte ich dort zelten, doch genau als ich nach einem Platz suchte, setzte starker Regen ein – und der Wetterbericht kündigte Dauerregen bis zum nächsten Tag an. Also machte ich mich auf die Suche nach einem günstigen Hotel. Nach einigem Umherirren fand ich schließlich ein Zimmer für 55 Yuan, umgerechnet etwa sechs Euro – ein sehr fairer Preis.
Da sich am Rahmen meines Fahrrads, an der Stelle, an der der Gepäckträger das gesamte Gewicht trägt, erneut kleine Risse gebildet hatten, musste ich dringend eine Schweißarbeit erledigen lassen. Eigentlich hatte ich das erst für Dali geplant, doch da ich heute früh fertig war, suchte ich sofort eine Werkstatt auf. Die Mitarbeiter reparierten den Rahmen schnell und zuverlässig – und weigerten sich, Geld dafür anzunehmen. Sie erklärten, dass sie meine Reise beeindruckend fänden und mich unterstützen wollten. Diese Geste rührte mich sehr, zumal ich in China bisher oft das Gefühl hatte, dass vieles nur gegen Geld geht. In Zentralasien war Gastfreundschaft selbstverständlich, hier dagegen wurde ich zuletzt sogar für eine einfache Notunterkunft zur Kasse gebeten. Umso mehr hob sich diese Erfahrung positiv ab.
Nach der Reparatur ging ich noch etwas essen und beendete den Tag – draußen prasselte der Regen unaufhörlich, während ich im Trockenen einschlief.







