Tag
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Zwischen verlassenen Straßen, Schlangen und einer gigantischen Baustelle


Die Nacht war unruhig, denn durch das fensterlose Zimmer im Lost Place zog der Wind kräftig hinein. Irgendwann fand ich dann doch Schlaf und konnte mich bis zum Morgen einigermaßen erholen. Mit gepackten Taschen ging es wieder los – den Fluss entlang, immer bergauf und bergab.

Meinen Wasservorrat hatte ich etwas unterschätzt. Zum Glück konnte ich an einem kleinen Wasserfall auffüllen und bekam von einem Autofahrer noch etwas Reservewasser. Die Straße war gut asphaltiert, aber verlassen – nur einmal pro Stunde kam ein LKW vorbei. Ansonsten war ich allein. Unterwegs entdeckte ich eine große Schlange auf der Straße. Sie war zwar tot, aber äußerlich unversehrt. Begleitet wurde ich zudem von zahlreichen brummenden Käfern – nach meiner Recherche wohl asiatische Nashornkäfer, auch wenn man diese selten aus der Nähe zu Gesicht bekommt.

Die Schluchten und abgelegenen Dörfer, die in den Kurven des Flusses immer wieder auftauchten, wirkten wie kleine idyllische Oasen. Doch plötzlich stand ich vor einer gigantischen Baustelle. Eigentlich sollte die Straße am Fluss weiterführen, doch vor mir türmte sich ein riesiger Schutthaufen aus Steinen. Links und rechts wurden Tunnel gebohrt und massive Befestigungen errichtet. Meine einzige Option war ein halbfertiger Tunnel, durch den es sogar von der Decke regnete, da er noch nicht richtig abgedichtet war. Abenteuerlich – aber immerhin führte er mich wieder zum Fluss und zurück auf die Straße.

Von dort ging es durch ein paar Dörfer, während um mich herum ununterbrochen riesige Bergwerks-LKWs und Baustellenfahrzeuge rollten. Stück für Stück näherte ich mich der Hauptstraße, die auf der gegenüberliegenden Flussseite in Sichuan verlief. Meine Route hingegen führte durch ein abgelegenes Stück Yunnan. Nach 110 Kilometern erreichte ich schließlich eine Brücke, die mich zurück zur Hauptstraße brachte.

Da es noch nicht allzu spät war, fuhr ich weitere 20 Kilometer bis zur nächsten Stadt. Dort konnte ich meine Vorräte auffüllen und fand eine gute, günstige Unterkunft – ohne den Aufwand, mein Zelt aufzubauen. Nach einem Abendessen vor Ort fiel ich müde ins Bett.