Zwei Pässe, unzählige Eindrücke
Heute Morgen wachte ich ausgeschlafen auf und nutzte die Zeit, um meine Kurzvideos vorzuplanen, damit ich sie nicht an Fahrtagen hochladen muss. Anschließend ging es mit dem Fahrrad direkt aus der Stadt auf den ersten Berg. Da die Stadt am Fuß des Anstiegs lag, begann der Tag sofort mit einer steilen Passage: von 3.400 m Höhe arbeitete ich mich innerhalb von zweieinhalb Stunden auf 4.000 m hinauf. Die Beine fühlten sich gut an, und die Höhenmeter flogen nur so vorbei.
Nach einer rasanten Abfahrt zurück auf 3.400 m folgte der nächste große Anstieg. Unterwegs bot sich mir immer wieder ein atemberaubender Blick auf die Täler links und rechts von mir, gespickt mit kleinen tibetischen Dörfern, Denkmälern und Klöstern. Der zweite Pass forderte mich deutlich mehr, denn die 700 Höhenmeter des ersten Anstiegs steckten mir bereits in den Beinen. Doch dieser Pass führte mich noch höher – bis auf 4.250 m.
Oben empfing mich ein beeindruckendes Panorama: bunte tibetische Gebetsfahnen flatterten im Wind, ein kleiner Tempel stand neben einer Statue eines Reiters auf einem Pferd. Die Verzierungen waren farblich perfekt aufeinander abgestimmt und strahlten eine Ruhe und Harmonie aus, die ich bei anderen Bauwerken selten empfinde.
Von der Passhöhe führte die Strecke zunächst über eine kleine Hochebene auf 4.200 m, vorbei an Yak-Herden und Nomaden, die in Jurten lebten. Es folgte eine lange, dunkle Tunnelpassage, bevor sich die Straße in wunderschönen, sattgrünen Bergschluchten bergab wand. Mit jedem Höhenmeter, den ich verlor, kehrten die Bäume ins Landschaftsbild zurück.
Die Abfahrt war ein Rausch aus Glücksgefühlen – all die Mühe der vergangenen Stunden zahlte sich jetzt aus. Während das Hochfahren seinen ganz eigenen Reiz hat, ist das Gefühl des Fahrtwinds bei der Abfahrt etwas ganz Besonderes.
Nach rund 115 km und 1.650 überwundenen Höhenmetern erreichte ich ein kleines Dorf mit Restaurant und Supermarkt. Im Restaurant bestellte ich mir Nudeln mit Ei und Gemüse, um den Energie- und Proteinbedarf nach dieser anstrengenden Etappe zu decken. Den Koch fragte ich, ob es hier eine Übernachtungsmöglichkeit gäbe. Er zeigte mir direkt nebenan eine umgebaute Garage mit fünf Betten, die normalerweise von Truckern genutzt wird.
An diesem Abend war ich allein und konnte mein gesamtes Gepäck sicher unterbringen. Für gerade einmal 30 Yuan – umgerechnet 3,20 € – war das ein unschlagbares Angebot. Zufrieden und erschöpft legte ich mich in das warme Bett und beendete so einen ereignisreichen Tag.









