Zwei Pässe, verlassene Häuser und eine Eule
Am Morgen stand ich früh auf, packte meine Sachen, verabschiedete mich vom Besitzer der Unterkunft und füllte noch einmal meine Wasserflaschen auf. Bevor ich das Dorf verließ, machte ich noch einen Abstecher zum Supermarkt, um meine Essensvorräte aufzustocken – schließlich lagen rund 150 km vor mir, in denen es so gut wie keine Versorgungsmöglichkeiten geben würde.
Mit genügend Essen und Wasser im Gepäck nahm ich den ersten der beiden großen Pässe des Tages in Angriff. Der morgendliche Gegenwind machte den Anstieg mühsam, und so brauchte ich einiges an Geduld, um schließlich den Pass auf 4.634 m zu erreichen. Dort legte ich eine kurze Essenspause ein, bevor es für etwa 20 km kontinuierlich bergab auf 4.200 m ging. In einem kleinen Dorf am Talboden kehrte ich zum Mittagessen ein. Eigentlich wollte ich mir dort ein imposantes buddhistisches Kloster ansehen, doch es war leider für Besucher geschlossen.
Anschließend begann der zweite Anstieg – von 4.200 m hinauf auf knapp 4.600 m. Zum Glück war der Wind nun schwächer, sodass ich gleichmäßiger vorankam. Dennoch zwang mich eine bedrohlich wirkende Wolkenfront zu einer kurzen Rast unter einer Straßenunterführung. Diese erwies sich jedoch als weniger geeignet: Statt eines offenen Raumes befand sich darin nur ein großes Rohr. Nach dem gestrigen Gewittererlebnis wollte ich auf keinen Fall erneut in eine lebensgefährliche Situation geraten.
Nach dieser Pause erklomm ich den Pass und wurde mit einer traumhaften Abfahrt durch weitläufige, sattgrüne Berglandschaften belohnt. Auf der Suche nach einem Schlafplatz überquerte ich eine Brücke und entdeckte ein kleines Dorf zwischen zwei Gebirgszügen. Stromleitungen führten dorthin, doch als ich die wenigen Häuser erreichte, fand ich keine Menschenseele. Es wirkte, als sei der Ort schlagartig verlassen worden. In den Gebäuden hingen noch tibetische Wandverzierungen, und verlassene Ställe deuteten darauf hin, dass hier einst Yak-Herden gehalten wurden.
Zum Übernachten wählte ich schließlich einen der leeren Ställe. In den Häusern selbst zu schlafen erschien mir zu unheimlich – man weiß ja nie, ob plötzlich doch jemand auftaucht. Bei meiner Erkundung der Gebäude entdeckte ich sogar eine kleine Eule, die am helllichten Tag offenbar auf Futtersuche war.
Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang in der engen Schlucht, umgeben von imposanten Bergen, legte ich mich ins Zelt. Leider meldete sich mein Magen mit verdächtigem Gurgeln – ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich vielleicht etwas Verdorbenes gegessen hatte oder das Wasser vom Restaurant nicht ganz sauber war. Ich hoffe sehr, dass morgen wieder alles in Ordnung ist.








