Blitze, Berge und ein warmes Bett in Yuge
Am Morgen setzte ich meine Fahrt im leichten Regen fort. Ich verabschiedete mich von den überaus freundlichen Bauarbeitern, die mir am Vorabend eine trockene Unterkunft ermöglicht hatten. Schon kurz nach dem Start ging es mit kräftigem Gegenwind bergauf – der erste Pass lag auf 4.500 m und verlangte mir einiges ab.
Nach der Abfahrt folgten mehrere kleinere Anstiege. Während ich die Hügel hoch und runter fuhr, rückte eine dunkle Regenfront bedrohlich näher. In der Hoffnung auf einen trockenen Rastplatz entdeckte ich eine Unterführung unter der Straße. Dort floss zwar ein Bach hindurch, doch ein schmaler Streifen daneben war frei genug, um mein Rad abzustellen und im Schutz der Brücke mein Mittagessen zu genießen.
Als der Regen nachließ, fuhr ich optimistisch weiter – doch die Wetterlage änderte sich schnell. Auf dem Anstieg zum zweiten Pass bemerkte ich, dass der Wind gedreht hatte. Die schwarzen Wolken, die eben noch von mir weggezogen waren, kehrten nun rasch zurück. Die Landschaft bot zwar links und rechts größere Berge, doch der Pass selbst lag relativ offen.
Kaum oben angekommen, schlug das Wetter zu. Ich wollte mein Fahrrad in den Straßengraben legen, um mich vor Blitzen zu schützen – in diesem Moment schlug ein Blitz nur 50 m entfernt in einen Mobilfunkmast auf einem kleinen Hügel ein. Vor Schreck kauerte ich mich flach in den Graben, das Herz raste. Auch wenn der Mast und die Berge in der Umgebung höher waren, fühlte ich mich der Naturgewalt schutzlos ausgeliefert. Glücklicherweise folgte kein zweiter Blitz, doch ein heftiger Hagelschauer prasselte auf mich nieder, gefolgt von starkem Regen.
Durchnässt, aber erleichtert, stieg ich wieder aufs Rad und setzte meine Fahrt fort – diesmal mit noch wachsamerem Blick zum Himmel. Mehrere weitere Anstiege folgten, bevor ich schließlich das Dorf Yuge erreichte. Dort bestellte ich in einem kleinen Restaurant eine riesige Portion Nudeln mit Ei und Gemüse, die ich hungrig verschlang.
Eigentlich rechnete ich fest damit, dass – wie in weiten Teilen Qinghais – keine Ausländer in Unterkünften aufgenommen werden. Umso überraschter war ich, als mir der Besitzer von sich aus ein Zimmer anbot – und das für nur einen Euro, inklusive Kaminheizung. Insgesamt kosteten mich das Essen, das warme Zimmer und die gemütliche Feuerwärme gerade einmal zehn Euro.
Direkt neben dem Restaurant entdeckte ich einen buddhistischen Tempel. Nach dem Essen nutzte ich die Gelegenheit für einen Besuch und ließ mich von den kunstvollen Details, den leuchtenden Farben und den in Malereien erzählten Geschichten faszinieren. Zurück in meiner Unterkunft lud ich alle technischen Geräte auf – wer weiß, wann ich das nächste Mal über Nacht Strom haben würde.
So endete ein ereignisreicher Tag, eingekuschelt in ein fast schon zu warmes Bett.








