Schmuggel an der Kontrollstelle und Aufstieg ins Hochland
Heute klingelte der Wecker um 6:00 Uhr. Schnell ein paar Kekse gefrühstückt, Sachen gepackt und losgefahren. Es war angenehm bewölkt, und von Anfang an führte die Straße stetig bergauf. Je weiter ich aus Golmud hinausfuhr, desto näher kamen die Berge – und desto schwächer wurde der nervige Seitenwind.
Plötzlich sah ich vor mir eine endlose Kolonne: gut 100 LKWs, Stoßstange an Stoßstange, alle auf dem rechten Fahrstreifen geparkt. Sofort war mir klar: Hier steht eine Kontrolle an. Mein Verdacht bestätigte sich.
Bei der ersten großen Kontrollstelle entdeckte ich eine Lücke in der Absperrung – und schlüpfte unbemerkt hindurch. Kaum war ich durch, kam schon die nächste Kontrollstation. Dieses Mal lag die Sache kniffliger: Rechts parkten die Autos und wurden einzeln durchgelassen, links gab es eine schmale Spur mit Pollern, gespickt mit Überwachungskameras. Ich riskierte es, ganz dicht am Wärterhäuschen vorbeizufahren und betete, dass niemand in dem Moment aus dem Fenster schaute. Und tatsächlich – ich kam auch hier unbemerkt durch. Ob man mich wirklich gestoppt hätte, weiß ich nicht. Aber ich bin mir sicher, es hätte mindestens lange Diskussionen und vielleicht sogar einen Umweg gegeben.
Mit leicht mulmigem Gefühl ging es weiter in die Berge. Die Straße war ein ständiger Wechsel aus ein Drittel Asphalt und zwei Drittel Schotter und Sand. Bei 90 % LKW-Verkehr wurde ich ständig in dichte Staubwolken gehüllt – ich habe vermutlich mehr Staub geschluckt als damals im Pamir-Gebirge.
Dafür war die Landschaft ein Traum: breite Flussbetten, die sich durch das Tal zogen, dahinter gewaltige Bergketten. Auf 3.700 m tauchte plötzlich ein wunderschön geschmücktes buddhistisches Kloster neben der Straße auf – ein stiller, bunter Ort vor dieser monumentalen Bergkulisse. Ich erkundete die Gebetsräume, den Vorplatz mit seinen Skulpturen und sah einen Mönch, der in tiefem Schweigen in einem der Gebäude saß.
Schließlich führte der Weg weiter hinauf – von 2.800 m am Morgen auf 4.030 m am Abend. Unter einer Eisenbahnlinie fand ich eine kleine Unterführung, eigentlich gedacht, um Regenwasser abzuleiten. Da für die Nacht kein Regen gemeldet war, stellte ich hier mein Zelt auf – wettergeschützt und vor neugierigen Blicken verborgen.






