Große Sanddünen, ein langer Anstieg und ein verstecktes Nachtlager im Tunnel
Heute Morgen klingelte mein Wecker früh – ich wollte zeitig los, um der größten Hitze zu entgehen. Zum Frühstück gab es Fertignudeln aus einer Asiabox – ein Geschenk von dem Fahrer, bei dem ich am Vortag ein Stück getrampt war. Sie gaben mir die nötige Energie für die ersten Kilometer.
Dann verließ ich Dunhuang und tauchte wieder ein in die scheinbar endlose Wüstenlandschaft. Die Strecke war überraschend abwechslungsreich: Von karger Steppe über weite, leere Ebenen bis hin zu beeindruckenden Wüstenbergen mit feinem Sand. Auf diesen tobten sich zahlreiche Chinesen mit Quads und Offroad-Fahrzeugen aus – ein kurioser Anblick.
Nach etwa 80 Kilometern erreichte ich die Stadt Aksay – das gleiche Ziel, zu dem am Vortag auch Meyrambek mit seiner Familie gefahren war. Also schrieb ich ihm kurz vor der Ankunft, ob wir gemeinsam essen wollten. Während ich bereits beim Essen saß, schrieb er mir zurück – und lud mich spontan um 17 Uhr zu seiner Verlobungsfeier ein.
Ich fragte, ob ich eventuell irgendwo bei ihm oder seiner Verlobten übernachten könnte. Doch, wie so oft, musste er das erst mit der Polizei klären – offenbar eine Vorschrift in der Region. Schließlich schrieb er mir, dass die Polizei es nicht erlaubt habe und ich in ein Hotel gehen müsse. Leider waren die Hotels in Aksay ziemlich teuer, und ich hatte ohnehin noch Lust, ein paar Kilometer zu machen. Die Feier wäre bestimmt eine besondere Erfahrung gewesen, aber diesmal passte es einfach nicht.
Also fuhr ich mit vollem Magen weiter – und das wurde richtig anstrengend: Ein kontinuierlicher Anstieg über 800 Höhenmeter, mitten durch die Wüste, immer näher auf die Berge zu. Es war ein endlos wirkender Aufstieg, die Beine wurden schwerer, die Sonne brannte. Aber je höher ich kam, desto angenehmer wurde das Klima. Auf 2.500 Metern Höhe angekommen, waren es nur noch um die 30 °C – das war eine echte Wohltat nach den 40+ Grad in der Tiefe. Dazu kam ein angenehmer Rückenwind, der nicht nur schob, sondern auch kühlte.
An einer Raststätte direkt in den Bergen gönnte ich mir ein Abendessen. Danach überquerte ich die Grenze von Gansu in den Qinghai-Distrikt – eine eher unspektakuläre Passage, nur mit Kameras ausgestattet, keine individuelle Kontrolle.
Ein paar Kilometer später entdeckte ich etwas Perfektes: Einen Tunnel unter der Straße, der in Regenzeiten oder bei Schneeschmelze als Abfluss dient – aktuell aber trocken wie ein Flussbett. Ideal also, um mein Zelt gut versteckt aufzubauen, weit genug von der Straße entfernt, um von niemandem gesehen zu werden.
Ich machte meine Abendroutine, lauschte dem Wind, der durch die Röhre zog, und schlief dann sicher und zufrieden in meinem ganz eigenen, kühlen Nachtlager unter der Straße ein.






