Zwischen Wüste, Hitzschlag und Hilfsbereitschaft: Durch die Wüste Richtung Westen
Heute Morgen hatte ich mir vorgenommen, besonders früh zu starten – doch mein Körper machte mir einen Strich durch die Rechnung. Trotz des Weckers verschlief ich, da mir offenbar die wenigen fünf Stunden Schlaf der letzten Nacht nicht ausgereicht hatten. So begann mein Tag mit dem Sonnenaufgang: Ich baute mein Zelt unter dem schattenspendenden Zweigdach ab, verzichtete auf das Frühstück und machte mich sofort auf den Weg, um so viele Kilometer wie möglich in den noch relativ „kühlen“ Morgenstunden zu absolvieren. Auch wenn es nachts in der Region nicht unter 32 °C abkühlt, ist jede Stunde ohne pralle Mittagssonne ein Vorteil.
Am Vorabend hatte ich mich noch einmal intensiv um meine Drohnenfreigabe bemüht, da ich bislang keine Luftaufnahmen für meine Dokumentation machen konnte. Das Problem: Ohne offizielle Genehmigung verhindert die Drohne selbständig das Abheben. In einem DJI Store in Urumqi, direkt neben meinem Hostel, hatte ich gemeinsam mit dem Personal versucht, die erforderlichen Formulare über den chinesischen Browser Baidu auf der offiziellen Website auszufüllen. Trotz erfolgreicher Übermittlung erhielt ich zwei Tage später die Rückmeldung der Flugsicherheitsbehörde, dass mein Nachname fehlte und das Foto meines Reisepasses unscharf sei.
Da das Formular nur schwer zugänglich und auf Chinesisch war, recherchierte ich erneut und stieß auf einen externen Anbieter, der den gesamten Prozess gegen eine Gebühr von 35 Euro übernimmt. Diese Option wählte ich, und heute früh erhielt ich schließlich die Freigabe per QR-Code – endlich konnte ich meine Drohne einsetzen. Das kostete jedoch weitere wertvolle Minuten an diesem heißen Morgen.
Anschließend führte mich meine Route hinaus aus dem städtischen Gebiet und direkt hinein in die lebensfeindliche Ebene der Wüste. Die ersten 30 Kilometer ließen sich bei Gegenwind und intensiver Sonneneinstrahlung noch bewältigen. Doch ab 11 Uhr wurde die Hitze unerträglich – der Asphalt glich einem Backofen. Nach etwa 70 Kilometern fand ich ein kleines Stück Schatten unter einem Internetturm mitten in der Einöde. Diese Pause war dringend notwendig: Mein Körper fühlte sich trotz Schutzkleidung und Kopfbedeckung förmlich „durchgebraten“ an.
Nach ausreichend Flüssigkeitszufuhr setzte ich meine Fahrt fort – noch einmal 35 Kilometer bis zur nächsten Tankstelle mit Verpflegungsmöglichkeit. Anfangs unterschätzte ich diese Strecke, doch sie erwies sich als psychisch wie körperlich extrem herausfordernd: Die Sonne stand hoch, die Temperaturen erreichten 45 °C im Schatten, und der Wind blies mir weiterhin trocken und kräftig entgegen. Als besonders zermürbend erwies sich die sichtbare Ferne der Tankstelle, die sich schon 15 Kilometer vor dem Erreichen am Horizont abzeichnete – ein Gefühl der Ohnmacht, das jede Pedalumdrehung schwerer machte.
Bei Ankunft spürte ich erstmals auf dieser Reise deutliche Kreislaufprobleme, vermutlich ein leichter Hitzschlag. Ich trank sofort mehrere Softdrinks und große Mengen Wasser. Anschließend wechselte ich in einen kleinen Supermarkt direkt gegenüber, dessen Besitzer mich freundlicherweise in das klimatisierte Innere ließ. Dort konnte ich mich nicht nur abkühlen, sondern auch meine Kurzvideos für Social Media planen und zur Ruhe kommen.
Die Außentemperaturen stiegen auf unglaubliche 47 °C. Es war kaum zu fassen, dass ich bis kurz zuvor noch auf dem Rad unterwegs gewesen war. Die Wüste zeigt hier ihre gnadenlose Seite – eine Umgebung, die man nicht unterschätzen darf. Wäre ich heute früher gestartet, hätte ich vielleicht einen entscheidenden Vorteil gehabt.
Am späten Nachmittag brachte mich der hilfsbereite Ladenbesitzer zu einem verlassenen Restaurant in der Nähe. Dort bereitete er mir in einem Hinterraum ein Bett mit einer mobilen Klimaanlage – ein Akt der großen Herzlichkeit. Aus Sorge vor der Polizei, die es Einheimischen untersagt, Ausländer aufzunehmen, wollte er nicht, dass jemand mein Verbleiben mitbekam. Deshalb durfte ich nicht länger in seinem Laden verweilen und wurde diskret in den Nebenraum gebracht.
Ich aß dort zu Abend, füllte meine Wasservorräte großzügig auf und besorgte etwas Proviant für die nächste Etappe – die wohl noch extremer und nicht ganz ungefährlich werden dürfte.



