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Vom Hochplateau in die Gluthitze: Ankunft im Backofen Chinas

Heute Morgen startete ich wieder früh in den Tag. Die ersten Sonnenstrahlen tauchten die Straßen in ein warmes Licht, und noch war die Temperatur halbwegs erträglich. Mein Weg führte mich zunächst durch die weitläufigen Außenbezirke von Urumqi – eine Stadt, die sich gefühlt ewig zieht. Erst nach etwa 40 Kilometern verließ ich das städtische Gebiet und erreichte die Straße Richtung Berge.

Auf dem rund 1000 Meter hohen Plateau hatte ich Glück: Ein kräftiger Rückenwind blies mir in die Pedale und trug mich förmlich den Anstieg hinauf. Die Fahrt war dadurch überraschend schnell und angenehm. Nach 85 Kilometern legte ich meine Mittagspause ein – in einer Autobahnunterführung, dem einzigen Ort weit und breit mit etwas Schatten. Dort konnte ich mich zumindest für ein paar Minuten der gnadenlosen Sonne entziehen.

Dann begann die lange Abfahrt in die berüchtigte Turpan-Senke – eine der trockensten und heißesten Regionen Chinas, die teils unter dem Meeresspiegel liegt. Die landschaftliche Veränderung war deutlich spürbar: Immer trockener, immer karger wurde die Umgebung. Dank Rückenwind war ich so schnell unterwegs, dass ich die aufsteigende Hitze zunächst kaum bemerkte. Doch auf etwa 300 Metern Höhe, als der Wind abflaute und die Strecke flacher wurde, traf mich die Realität: 45 °C im Schatten, wie mein Thermometer anzeigte.

Die letzten 40 Kilometer bis Turpan zogen sich in der flirrenden Hitze. Jeder Tritt war ein Kampf gegen die sengende Sonne. Als ich endlich in der Stadt ankam, führte mein erster Weg direkt zu einem Supermarkt – ich brauchte dringend Wasser. Viel Wasser.

Nach der Erfrischung kehrte ich in ein kleines Restaurant ein. Dort wurde mir von zwei freundlichen Chinesen ein Gericht mit Insekten und Meeresfrüchten angeboten – eine Einladung, die ich höflich, aber bestimmt ausschlug. Stattdessen bestellte ich Nudeln mit Gemüse und Ei. Dennoch aßen wir gemeinsam am Tisch, unterhielten uns freundlich, und am Ende übernahmen die beiden sogar die Rechnung – eine schöne Geste.

Nach dem Essen sehnte ich mich nur noch nach einer Dusche. Ich fuhr in ein klimatisiertes Hotel, das ich mir für besonders harte Etappen gönne. Die Unterkünfte sind hier zwar vergleichsweise teuer – mit 20 bis 30 € pro Nacht für chinesische Verhältnisse sogar recht luxuriös –, aber nach einem Tag wie heute ist eine Dusche in einem kühlen Zimmer Gold wert. Ich hoffe, in Südostasien werden die Übernachtungen wieder günstiger.

Nach über 200 Kilometern und einem der heißesten Tage der Tour fiel ich erschöpft, aber zufrieden ins Bett.