Ein Tag voller Kontraste, Begegnungen und Erkenntnisse
Heute war es so weit: der Tag der Einreise nach China. Mit großer Euphorie packte ich am Morgen meine Sachen zusammen – die Sonne brannte bereits kräftig vom Himmel. Nur noch etwa 40 Kilometer trennten mich von der Grenze, und die Strecke führte zunächst stetig bergauf.
Kurz vor dem Grenzposten – etwa 100 Meter vor mir – bog plötzlich ein anderer Radreisender auf die Straße ein. Er war schneller unterwegs als ich, sodass ich ihn unterwegs nicht einholen konnte. Doch als ich am ersten Kontrollposten der Grenze ankam, wartete er dort tatsächlich auf mich.
Wie sich herausstellte, war er ein chinesischer Radfahrer, der gerade von einer Tour durch Kasachstan zurückkehrte und nun ebenfalls die Grenze passieren wollte. Für mich erwies sich das als großer Glücksfall: Er verstand die Sprache, kannte die Abläufe und erklärte mir geduldig den weiteren Weg.
Die Grenzanlage war ein komplexes System aus Schranken, Kontrollpunkten und Gebäuden. Bereits am ersten chinesischen Posten gab es genaue Anweisungen – ausschließlich auf Chinesisch. Zum Glück konnte ich mich einfach an meinem neuen Reisegefährten orientieren und ihm durch die verschiedenen Abschnitte folgen.
In einem der Hauptgebäude der chinesischen Grenzstation musste ich zunächst sämtliche Taschen vom Fahrrad abnehmen und sie – wie am Flughafen – durch einen großen Scanner schicken. Anschließend wurde ein medizinischer Corona-Test durchgeführt. Danach folgte die obligatorische Datenerfassung: Reisezweck, Route, Herkunft und Aufenthaltsdauer in China.
Dann: erneut Taschen abnehmen, zweiter Sicherheits-Scan. Überraschenderweise musste ich bei beiden Kontrollen keine einzige Tasche öffnen. Das machte alles deutlich einfacher und unkomplizierter.
Mein chinesischer Radreisebegleiter durchlief deutlich weniger Kontrollen und wartete geduldig auf mich am Ausgang – eine unglaublich nette Geste. Er fragte mich anschließend, ob er mir ein wenig die Region Xinjiang, die Kultur und das Essen zeigen dürfe. Ich stimmte sofort zu – überglücklich, einen lokalen Kontakt gefunden zu haben.
Gemeinsam fuhren wir in ein Restaurant, wo es hausgemachte chinesische Nudeln mit Gemüse und heißen Tee gab. Unterwegs fielen mir sofort die zahlreichen Überwachungskameras, blitzende Fotoautomaten und die hohe Polizeipräsenz auf – ein deutlich spürbarer Unterschied zu Kasachstan.
Während des Essens wurde mir klar, wie bedeutend diese Begegnung war: Ich hatte noch zwei wichtige Dinge zu erledigen – eine chinesische SIM-Karte besorgen und Bargeld organisieren. Da Google-Dienste wie Maps in China blockiert sind und man auf chinesische Apps wie Amap angewiesen ist, war die Unterstützung meines Begleiters unbezahlbar. Er fragte auf Chinesisch Passanten nach dem nächsten Mobilfunkladen und ließ sich den Weg erklären.
Nach einer etwa 4 km langen Fahrt durch die Straßen fanden wir schließlich einen China-Mobile-Shop, in dem ich einen zweimonatigen Vertrag mit 250 GB Datenvolumen für nur 11 € abschließen konnte. Um weiterhin auf Dienste wie WhatsApp, Instagram, Google oder YouTube zugreifen zu können, hatte ich im Vorfeld bereits VPNs getestet. Während ExpressVPN nicht funktionierte und VPNFY Probleme beim Hochladen hatte, stellte sich Let’s VPN als zuverlässigste Lösung heraus – drei Monate für 22 €.
Im Shop konnte ich mit AliPay bezahlen – einem chinesischen mobilen Bezahldienst, der ähnlich wie Apple Pay funktioniert, allerdings über das Scannen eines QR-Codes. Besonders praktisch: Ich konnte mir sogar direkt im Laden Bargeld auszahlen lassen, ganz ohne Bankautomat und ohne die Sorge, dass meine Bankkarte nicht funktioniert.
Im Anschluss zeigte mir mein neuer Freund noch zwei essenzielle Apps für das Leben in China: Amap für Navigation und WeChat für Kommunikation. In WeChat ist nahezu alles integriert: Chat, Bezahlsystem, Mini-Apps – eine digitale Welt für sich. Ohne diese Tools ist man in China heute quasi handlungsunfähig.
Gegenüber des Shops checkte ich schließlich in einem Hotel ein. Der Tag war intensiv, voller Eindrücke, aber auch voller Lösungen. Nach einer kleinen Stärkung aus meinen Vorräten machte ich mich noch einmal auf den Weg in die Stadt, um Sonnencreme zu kaufen. Die Apotheke konnte mir nicht weiterhelfen, aber in einem Beautysalon fand ich zumindest eine Sprühvariante – nicht optimal, aber besser als gar nichts.
Im Supermarkt deckte ich mich noch mit ein paar Lebensmitteln ein und fiel dann erschöpft, aber zufrieden ins Bett. Dieser erste Tag in China war eine Mischung aus Behördenmarathon, kulturellem Kontrast, digitaler Umstellung – aber auch gelebter Gastfreundschaft. Ein fulminanter Auftakt.



