Grenzübertritt nach Kasachstan und ein Zeltplatz mit Weitblick
Heute stand ich etwas früher auf, um den Tag voll fürs Radfahren zu nutzen. Nach einem schnellen Frühstück packte ich meine Sachen, verabschiedete mich herzlich von der Gastgeberin – eine wahre gute Seele – und machte mich auf den Weg. Ihr Gästehaus trägt den passenden Namen „Sunny Valley“, der ebenso warmherzig war wie ihr Empfang.
Die ersten 40 Kilometer führten mich über eine etwas holprige Straße, zurück auf die Route entlang der anderen Seite des Issyk-Kul-Sees. Ab dort wurde der Belag wieder deutlich besser – und mit jeder Kurve wurde die Landschaft spektakulärer.
An der Grenze zu Kasachstan verlief alles völlig unkompliziert. Kaum war ich drüben, eröffnete sich eine weite, offene Steppe, so imposant, dass ich mit offenem Mund auf meinem Fahrrad saß. Riesige Weideflächen, über die Pferde- und Kuhherden zogen, erstreckten sich bis zum Horizont – eine unglaubliche Weite.
Ein paar Kilometer später entdeckte ich am Straßenrand eine Feldlerche, die sichtbar geschwächt war und verzweifelt keuchte. Ich hob sie vorsichtig auf, brachte sie auf den Grünstreifen abseits der Straße, damit sie nicht überfahren wird, und gab ihr etwas Wasser. Ob sie den Zusammenstoß mit einem Fahrzeug überleben würde, war ungewiss. Es war ein kurzer, intensiver Moment, der mir wieder die Zerbrechlichkeit des Lebens und die Konflikte zwischen Natur und Infrastruktur vor Augen führte. Vielleicht wird sie überleben, vielleicht ist sie Nahrung für ein anderes Tier – so ist der Kreislauf der Natur.
Im Anschluss ging es über einen letzten Berg hinter der Steppe. Oben angekommen, fand ich einen traumhaften Zeltplatz, weit weg von der Straße, mit einer atemberaubenden Aussicht über die sich unter mir ausbreitende Ebene. Ein Ort zum Durchatmen.
Ich ließ den Tag in aller Ruhe ausklingen, bereitete mein Abendessen zu, ging meiner Routine nach und genoss diesen magischen Ort, der mit seiner Weite und Stille eine ganz eigene Kraft hatte.








