Tag
1

Heiße Quellen und ein entspannter Ruhetag in Karakol

Heute ließ ich es ruhig angehen und schlief einmal aus. Um 9:00 Uhr gab es ein einfaches, aber reichhaltiges Frühstück: Brot mit Marmelade und Honig, Spiegelei sowie Tomate und Gurke. Ich wurde gut satt und startete entspannt in den Tag.

Danach nahm ich mir Zeit, um Kurzvideos für meine Social-Media-Plattformen zu planen – damit ich wieder etwas aktueller berichten kann. Durch die Internetlosigkeit im Pamir hatte sich einiges an Material angesammelt, das ich nun sortierte.

Am späten Vormittag nahm ich für gerade einmal fünf Euro ein Taxi zu den heißen Quellen Aksuu Kench, etwa 30 Minuten von Karakol entfernt. Die Anlage bestand aus mehreren Becken mit unterschiedlich heißen Temperaturen. Besonders das heißeste Becken mit 42 °C hatte es in sich – ich brauchte etwas, bis sich mein Körper daran gewöhnte. Kein Wunder, dass sich dort kaum jemand hineinwagte.

Ein Kirgise vor Ort zeigte mir eine effektive Bade-Routine: Erst für 2–3 Minuten ins heiße Becken, dann ein kurzer Sprung in den eiskalten Fluss, danach zurück ins heiße Becken – und das Ganze so oft wiederholen, wie es sich gut anfühlt. Ich machte ganze sechs Durchgänge, legte eine kurze Pause ein und wiederholte sie erneut sechs Mal. Danach war ich wirklich durchgewärmt und angenehm erschöpft.

Zum Abschluss genoss ich noch das mäßig warme Becken, in dem man länger verweilen konnte. Dort kam ich mit einem Amerikaner ins Gespräch, der in Kirgistan als Teamer für katholische Kinder in einem sogenannten „Juden-Dorf“ arbeitet. Er studiert derzeit in Rom Katholizismus und möchte später Priester werden. Unser Gespräch war überraschend offen und angenehm – vor allem, weil er nicht permanent religiöse Bezüge herstellte, wie ich es in der Vergangenheit bei anderen sehr kirchlichen Personen erlebt habe.

Nach dem Bad fuhr ich per Anhalter und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück nach Karakol. Ich wollte noch einen Abstecher zum Basar in der Innenstadt machen – dort war allerdings so viel los, dass es mich eher stresste. Um meine neu gewonnene innere Ruhe durch die heißen Quellen nicht gleich wieder zu verlieren, verließ ich den Trubel schnell wieder und erledigte nur einen kleinen Einkauf für den nächsten Tag.

Zurück in meiner Unterkunft unterhielt ich mich länger mit der sehr herzlichen Gastgeberin. Sie zeigte großes Interesse an meiner Reise, bot mir wieder viel Essen und Tee an und schuf damit eine fast familiäre Atmosphäre.

Nach einem leckeren Abendessen mit Reis, Ei und viel Gemüse fiel ich zufrieden und entspannt ins Bett.