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Taxi-Odyssee nach Bischkek

Nach dem gestrigen Desaster in den Bergen entschied ich mich, den Weg nach Bischkek per Taxi zu bewältigen. Eigentlich wären es nur noch 350 km gewesen – jetzt, nach der Umkehr, waren es wieder 650 km. Mit der anstehenden Generalüberholung meines Fahrrads und der ohnehin angespannten Situation wollte ich nichts mehr riskieren.

Ein Taxi mit Platz für Fahrrad und Taschen zu finden, war jedoch leichter gesagt als getan. Die Betreiber des Hostels, in dem ich eine Nacht verbracht hatte, bastelten mir ein Pappschild und meinten, ich solle mein Glück beim Trampenversuchen. Also stand ich zwei Stunden lang in der glühenden Mittagshitze am Straßenrand. Drei Autos hielten – alle ohne Platz für mein Gepäck.

Irgendwann sprach mich ein Mann an. Er könne mich in 10 Minuten für 30 € nach Bischkek bringen. Ich war erleichtert. Doch: Er kam nicht. Also wieder raus an die Straße mit dem Schild. Nach weiteren eineinhalb Stundentauchte er schließlich auf – diesmal mit einem vollen Taxi. Er sagte, sein Kollege könne mich in 2,5 Stundenmitnehmen.

Inzwischen war ich ordentlich genervt von der Unzuverlässigkeit. Ich ging zurück ins Hostel, um dort auf „Kollege Nummer zwei“ zu warten. 15:00 Uhr – niemand da. 15:30 Uhr – immer noch niemand. Die Ausrede: „Er wartet noch auf eine Passagierin.“ Erst um 16:15 Uhr tauchte der Fahrer tatsächlich auf.

Endlich ging es los. Fahrrad aufs Dach, Taschen ins Auto – und dann der nächste Dämpfer: Die Passagierin hatte ihren Lockenstab und Föhn vergessen, also wieder zurück. Danach hielt der Fahrer gefühlt alle 500 Meter, um noch jemanden für den letzten Platz zu finden. Es dauerte fast eine Stunde, bis wir wirklich Fahrt aufnahmen.

Am Toktogul-See machten wir dann einen Stopp. Der Fahrer und ich sprangen kurz ins Wasser – eine kurze Erfrischung. Danach ging es weiter, inklusive Essenpause. Mein Magen war jedoch immer noch gereizt vom schlechten Essen in den Bergen, und der Stress hatte sein Übriges getan. Ich bekam abends erneut heftige Blähungen.

Nun war es dunkel. Der Fahrer fuhr viel zu schnell, bremste abrupt, riss das Lenkrad in Kurven hin und her, und überholte riskant. Mein Magen wurde dabei so oft durchgewirbelt, dass ich ihn kaum noch beruhigen konnte.

Um drei Uhr morgens kam ich schließlich in Bischkek bei Haidos, einem Fahrradmechaniker, an. Sein Kontakt war mir in Osh vermittelt worden. Trotz der Uhrzeit stand er auf, um mich zu empfangen – das rechne ich ihm hoch an. Nach einem rettenden Besuch der Kloschüssel konnte sich auch mein Magen endlich wieder entspannen.