Tag
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Aufbruch in die kirgisischen Berge

Ich wachte heute vom Zwitschern der Vögel auf – ein friedlicher Start in den Tag. Ohne lange zu zögern, sprang ich direkt in den See neben meinem Schlafplatz und schwamm eine Runde. Der kühle Morgenschwumm war erfrischend und belebend – genau das Richtige, um wach zu werden.

Anschließend begann mein richtiger Einstieg in die kirgisischen Berge. Anfangs war der Weg noch asphaltiert, doch das änderte sich bald – wie so oft wurde aus Teer wieder Offroad-Schotterpiste. Irgendwann hielt ich bei einem kleinen Supermarkt in einem winzigen Dorf. Noch während ich meinen Einkauf machte, lud mich die Familie dort zum Essen ein – eine spontane und herzliche Geste, wie ich sie hier schon oft erleben durfte. Sie boten mir sogar an, über Nacht zu bleiben. Ich lehnte dankend ab, da ich unbedingt noch zwei Stunden weiterfahren wollte, um mir für den morgigen Passanstieg genügend Zeit zu verschaffen.

Später schlug ich mein Zelt am Fluss, etwas unterhalb des Weges, gut versteckt auf. Ich wollte heute früh schlafen und die Ruhe genießen. Gegessen hatte ich bereits bei der Familie, also gönnte ich mir nur noch etwas Körperpflege: Waschen im Fluss, frisches Wasser auffüllen, ein bisschen entspannen.

Doch wie so oft blieb ich nicht lange ungestört. Ein paar Kinder aus einem nahen Jurtendorf entdeckten mein Lager und belagerten mich neugierig. Zunächst war das noch in Ordnung, aber irgendwann begann das typische Betteln um Geld, Getränke oder Kleidung – diesmal war es meine Fanta für morgen. In solchen Momenten merke ich, wie erschöpft ich eigentlich bin. Es ist schwer, das von außen zu verstehen, aber wenn man jeden Tag Aufmerksamkeit bekommt, keine Ruhe hat und ständig angequatscht wird, zehrt das irgendwann an den Nerven – vor allem, wenn man sich eigentlich nach Stille sehnt.

Als die Kinder schließlich gingen, kehrte endlich die ersehnte Ruhe ein. Das Plätschern des Flusses, die frische Luft, die Einsamkeit – genau deshalb mache ich diese Reise. Ich schlief ein, während das Wasser neben mir ruhig vor sich hinfloss.