Tag
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Von Pässen und Parks: Mit voller Wucht nach Osh

Ausgeschlafen und mit einem Müsli samt frischem Obst und Joghurt gestärkt, startete ich in den Tag – bereit für die nächste Herausforderung: ein durchgehender Anstieg von 900 Höhenmetern auf 18 Kilometern. Kein Spaziergang, aber auch nichts, was ich nicht schon in anderer Form erlebt hätte. Stück für Stück schraubte ich mich nach oben. In der angenehmen Luft zwischen 1000 und 2000 Metern ließ sich trotz Anstrengung gut atmen. Es ist faszinierend, wie schnell man wieder Höhe gewinnt, wenn man einfach dranbleibt.

Kurz vor dem Pass verdunkelte sich der Himmel. Bedrohliche Wolken zogen auf, dann setzte Regen ein. Ich suchte Unterschlupf bei einer Gruppe Bauarbeiter, die mir einen Platz unter ihrem Schirm anboten. Dort machte ich eine Pause, zog meine Regenkleidung an – eine weise Entscheidung, denn bald wurde es kälter und die Schauer intensiver. Der Pass lag bei rund 2300 Metern, und trotz Regen konnte ich die friedlich zwischen den grünen Hängen liegenden Jurten-Dörfer bewundern. Diese Zelt-Siedlungen strahlen etwas Ursprüngliches und Besonderes aus – sie passen perfekt in die weiten, offenen Landschaften Kirgistans.

In einem kleinen Dorfladen am Wegesrand gönnte ich mir – fast schon traditionell – eine Fanta für den schnellen Energieschub. Der jugendliche Verkäufer war sichtlich fasziniert von mir und schenkte mir zum Abschied noch ein paar Mirabellen. Ein schöner Moment.

Die Abfahrt ins Tal war lang und angenehm. Doch je weiter ich hinunterkam, desto deutlicher wurde, was mich erwartete: Hitze. Richtig heiße 38 Grad schlugen mir entgegen, als ich auf unter 1000 Höhenmeter in Osh einrollte. Von der klaren Bergluft der letzten Tage war hier unten nichts mehr zu spüren – stattdessen sommerliche Glut.

Im Park-Hostel angekommen, erwartete mich eine kleine Überraschung: Ich traf gleich mehrere bekannte Gesichter wieder. Die Amerikaner, mit denen ich über das Kaspische Meer geflogen war, Hugo aus Frankreich mit seinem Anhänger, Uta – die Lehrerin aus Heidelberg – und viele neue, spannende Reisende. Es ist immer wieder motivierend, Menschen zu treffen, die ähnliche Wege gehen und mit denen man sofort ins Gespräch kommt.

Ich gönnte mir erstmal eine wohlverdiente Dusche nach zwei harten Tagen und ließ den Abend ruhig angehen. Wieder in einer Stadt, wieder unter Menschen – aber diesmal mit dem beruhigenden Wissen, wie viel ich in den Bergen geschafft habe.