Tag
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zäher Start, starker Wind und der Karakul-See in all seiner Schönheit

Nach rund neun Stunden tiefem Schlaf wurde ich von der Familie freundlich zum Frühstück eingeladen – es gab Spiegelei, frisches Brot und Quark. Doch heute fühlte ich mich irgendwie anders. Normalerweise bin ich früh auf den Beinen, voller Tatendrang, alles startklar. Doch diesmal war alles langsamer. Die Höhe setzte mir deutlich zu – ich war träge, motivationslos, hätte mich am liebsten wieder hingelegt.

Stattdessen spielte ich zwei Stunden mit den Kindern draußen – inmitten einer unglaublichen Kulisse, auf 4100 Metern Höhe, mit den schneebedeckten Bergen ringsum. Diese Momente gaben mir dann doch die Energie, mich aufzuraffen und loszufahren. Geplant waren heute eigentlich nur entspannte 30 Kilometer ohne größere Anstiege. Doch der Wind machte mir einen Strich durch die Rechnung.

Schon 15 Kilometer vor Karakul konnte ich den gleichnamigen See sehen – und doch schien er einfach nicht näher zu kommen. Der Gegenwind bremste mich regelrecht aus, ich kam kaum vorwärts. Es fühlte sich an, als ob ich auf der Stelle treten würde. Nach endlosen 2,5 Stunden kam ich dann doch endlich in Karakul an – völlig erschöpft von dieser kurzen, aber zermürbenden Etappe.

Im Ort nahm ich mir ein einfaches Hostel für die Nacht. Beine hochlegen? Fehlanzeige. Stattdessen zog es mich – trotz gefühlter 40 Grad in der Sonne – noch zu einem Spaziergang an den See. Auf rund 4000 Metern Höhe ist die Sonneneinstrahlung gnadenlos. Selbst mit Lichtschutzfaktor 50+ kommt man hier an seine Grenzen. Also verschleierte ich mich komplett, um mich vor der Sonne zu schützen, und genoss die Ruhe und die Aussicht auf den türkisfarbenen See, der von majestätischen weißen Gipfeln umrahmt ist – ein Anblick, der sprachlos macht.

Am Abend traf ich dann auch wieder das niederländische Ehepaar, das ich in Murghob kennengelernt hatte. Wir führten lange, tiefgründige Gespräche über das Reisen, das Leben und wie beides oft miteinander verschmilzt. Es war ein ruhiger, aber intensiver Tag – voller Wind, Sonne und Begegnungen, die im Gedächtnis bleiben.