Der höchste Pass: 4655 Meter über dem Meeresspiegel und überglücklich
Heute Morgen hieß es für mich nach einem leckeren Frühstück im Hostel wieder aufzubrechen. Auf dem Plan stand heute der höchste Pass meiner bisherigen Reise: 4655 Meter – ein echtes Schwergewicht im Pamir-Gebirge.
Der Aufstieg begann immerhin auf einer geteerten Straße, was das Fahren deutlich angenehmer machte. Meter für Meter, Stunde um Stunde kämpfte ich mich nach oben. Ab etwa 4000 Metern wurde es dann richtig hart. Die Luft wurde spürbar dünner, und je steiler die Straße wurde, desto öfter musste ich kurze Pausen einlegen. Dabei genoss ich aber auch die spektakuläre Aussicht auf die schneebedeckten Bergriesen um mich herum – ein Anblick, der einem die Strapazen kurz vergessen lässt.
Etwa 3 Kilometer und 300 Höhenmeter vor der Passhöhe wurde ich von einer Familie in einem der letzten Häuser am Berg freundlich hereingewunken. Es gab Tee, Gebäck und Kekse. Diese Herzlichkeit da oben auf über 4300 Metern ist einfach bemerkenswert – wahrscheinlich, weil die Menschen die raue Lebensrealität hier bestens kennen und wissen, wie wichtig gegenseitige Unterstützung ist.
Die letzten Kilometer bis zur Passhöhe waren dann wirklich der blanke Horror. Steil, schweres Gepäck, zu große Gänge und die extrem dünne Luft – eine Kombination, die mich an meine Grenzen brachte. Doch mit vielen kleinen Pausen und der Aussicht auf den Gipfel habe ich auch das geschafft.
Oben auf 4655 Metern angekommen, konnte ich mein Glück kaum fassen. Die Aussicht ins weite Tal, umgeben von gigantischen Sechstausendern, war überwältigend. Dort oben traf ich Hugo aus Frankreich, der mit einem Anhänger reist, sowie die drei deutschen Radfahrer, denen ich in den letzten Tagen immer wieder begegnet bin. Zu fünft machten wir uns dann an die Abfahrt.
Von „runterdüsen“ konnte allerdings keine Rede sein. Über 20 Kilometer ging es über Waschbrettschotter und große Steine mit gerade mal 5–10 km/h hinunter – körperlich fordernd und nervlich zermürbend. Zwischenzeitlich probierte ich Alternativrouten abseits der Straße, die sich aber als genauso schlecht entpuppten. Mein Ziel Karakul musste ich auf morgen verschieben.
Als mein Wasservorrat langsam knapp wurde, hatte ich großes Glück: Ein junges Paar aus Frankreich hielt mit ihrem Jeep an und versorgte mich mit frischem Wasser – eine echte Rettung. Kurz darauf kam ich an einer kleinen Farm vorbei, wo mich ein Junge einlud, einen Tee zu trinken. Als mir die Familie sogar noch anbot, bei ihnen zu übernachten, war ich überglücklich. Auf 4100 Metern, bei sinkenden Temperaturen, hatte ich so einen sicheren Platz an einem warmen Ofen, gutes Abendessen und heiße Getränke – mitten in der wilden Bergwelt des Pamir.
Die Gastfreundschaft dieser Familie war überwältigend. Ich schlief schnell ein – dankbar, erschöpft und erfüllt von dem Erfolg, den höchsten Pass meiner bisherigen Reise bezwungen zu haben.







