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Erneuter Rahmenbruch auf der Passstraße und unerwartete Hilfe in Alichur

Am nächsten Morgen zeigten das Thermometer 0 Grad an. Bei solchen Temperaturen ist es immer eine Herausforderung, den warmen Schlafsack zu verlassen. Ich aß wieder mein Porridge und ein paar Kekse zum Frühstück. Draußen zog eine Regen- und Schneefront immer näher, also baute ich zügig alles ab und zog mich warm an. Keine zehn Minuten nachdem ich am See losgefahren war, sah ich hinter mir, dass es dort bereits regnete – perfektes Timing.

Die nächsten zehn Kilometer führten über die schlimmsten Waschbrettschotterstrecken bis zu einer größeren Straße, die das Wakhan Valley abschloss. Doch kaum war ich auf der Straße unterwegs, hörte ich plötzlich ein Knacken. Ich drehte mich um und konnte kaum fassen, was ich sah: Die bereits mehrfach geschweißte Rahmenstelle an meinem Fahrrad war nun zum dritten Mal gebrochen.

Zum Glück passierte das nicht im 120 Kilometer entfernten, sehr abgelegenen Abschnitt mit den extrem schlechten Wegen, wo nur selten Autos unterwegs sind. Doch auf der größeren Straße fuhr ich allein, ohne ein Auto in Sicht. Also blieb mir nichts anderes übrig, als das Fahrrad den Hügel hochzuschieben. Nach etwa 30 Minuten hatte ich dann Glück: Zwei Südkoreaner in einem Offroad-Jeep hielten an und boten mir Hilfe an. Gemeinsam luden wir das Fahrrad und die Taschen ins Auto und fuhren die letzten 20 Kilometer nach Alichur.

Dort angekommen, regnete es erst einmal stark. Bei dieser Kälte und den widrigen Wetterbedingungen in den Bergen können solche Defekte wirklich gefährlich werden. Die Autofahrt nach Alichur war allerdings abenteuerlich – die beiden Südkoreaner hatten sich auf dem Weg in die Höhe zu schnell bewegt und litten unter Höhenkrankheit. Außerdem waren sie am Vortag mit einem Alternativweg in einem Schlammloch stecken geblieben. Da sie nicht wussten, wie man ein Offroad-Auto richtig bedient, hatten sie mehrfach rückwärts Gas gegeben, bis die Schalteinheit kaputtging. Am Morgen holte sie ein Einheimischer aus der misslichen Lage.

Durch die Höhenkrankheit waren sie nicht ganz bei Sinnen, und das machte das Autofahren riskant. Das merkte ich erst, als ich schon im Jeep saß. Der Fahrer schätzte die großen Schlaglöcher falsch ein, fuhr viel zu schnell darauf zu und bremste zu spät. Immer wieder hoben wir mit dem ganzen Auto durch diese Schlaglöcher ab – ich fürchtete kurz um mein Leben.

In Alichur suchte ich nach dem Aussteigen ein Gästehaus auf. Dort packte ich meine Sachen aus und bekam direkt eine warme Mahlzeit. Danach fragte ich die sehr freundliche Besitzerin nach einem Mechaniker im Dorf. Direkt nach dem Essen fuhr ich mit meinem Fahrrad zum Mechaniker, der sich sehr gut mit Schweißen auskannte. Er schweißte mir eine dicke Metallverstärkung an die gebrochene Rahmenstelle. So sollte ich zumindest erst einmal wieder einige Kilometer fahren können.

Eine langfristige Lösung ist das jedoch nicht. Wann der Rahmen das nächste Mal bricht, weiß ich nicht, und ich weiß auch nicht, welche anderen Teile des Fahrrads durch die wiederholten Defekte in Mitleidenschaft gezogen wurden. Bisher habe ich alles bei langsamen Anstiegen bemerkt. Passiert der nächste Defekt bei schneller Fahrt, könnte das lebensgefährlich werden.

Nachdem alles geschweißt und neu lackiert war, zog ich noch alle Schrauben fest und spannte den Riemen erneut. Zum Glück wollte der Mechaniker nichts für seine Arbeit. Zurück im Gästehaus duschte ich erst einmal und überlegte, wie es mit dem Fahrrad weitergehen soll. Eines stand für mich fest: Ich werde mit diesem Fahrrad keine weiteren Tausende Kilometer fahren – das Risiko ist einfach zu groß.

Deshalb nahm ich Kontakt zu Böttcher auf, die mich unterstützen wollen. Ich bin gespannt, welche Lösung sich ergibt, denn das ist nicht der erste Defekt an dem Fahrrad, und ich fahre es noch keine sechs Monate.

Während ich darüber nachdachte, sah ich plötzlich die Italiener mit ihrem Van neben dem Gästehaus parken. Ich gesellte mich zu ihnen und erfuhr, dass sie Mitte 40 sind, ihr früheres Leben aufgegeben haben und nun Vollzeitreisende sind. Auf meine Frage, wie sie das finanzieren, erzählten sie, dass sie keine teuren Länder besuchen. Stattdessen arbeiten sie jeweils zwei Monate im Jahr auf Farmen oder bei anderen Gelegenheitsjobs, um sich das Reisen in günstigeren Ländern für 4-5 Monate zu ermöglichen. So haben sie nur Ausgaben für Essen und Benzin.

Insgesamt sind sie schon seit acht Jahren unterwegs – zunächst als Backpacker, seit zwei Jahren mit ihrem Van. Ich finde diese Lebensweise faszinierend: Mit so wenig Arbeit so viel reisen zu können, ist bewundernswert.

Am Abend gab es im Gästehaus noch ein leckeres Abendessen, und bald wurde es dunkel.