Tag
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Vierter Aufstieg, erste Hoffnung

Heute Morgen bin ich wieder sehr früh aufgestanden, da ich zeitig loskommen wollte. Zum Frühstück gab es drei Spiegeleier und etwas trockenes Brot – leider ohne Aufstrich. Danach packte ich meine Fahrradtaschen, stellte mich mental auf die nächste Herausforderung ein und machte mich auf den Weg.

Ich fuhr nun zum vierten Mal denselben sehr steilen und anspruchsvollen Berg in die Hochebene hinauf:
• Das erste Mal war beim ersten Rahmenbruch,
• das zweite Mal bei der gebrochenen Schweißnaht,
• das dritte Mal zur Testfahrt nach der Verstärkung,
• und nun zum hoffentlich finalen Aufstieg.

Nachdem ich das erste große, steile Stück hinter mir hatte und alles noch heil war, wuchs mein Vertrauen: Vielleicht hält es diesmal wirklich.

Wetterwechsel und raues Gelände

Die ersten zehn Kilometer waren extrem steilsteinig und sandig. Kurz nach einer Passkontrolle an einem Militärcheckpoint begann es auch noch zu regnen. Ich zog meine Regensachen an – und fuhr weiter.

Das Wetter war den ganzen Tag wechselhaft, aber ich hatte mich darauf eingestellt. Je höher ich kam, desto karger und schroffer wurde die Umgebung. Die Landschaft war so beeindruckend, dass ich manchmal vor lauter Staunen vergaß, auf den schwierigen Weg zu achten.

Begegnung mit einem Wolf

Nach einigen Flussquerungen und vielen großen Steinen wollte ich eine Pause an einer Kurve mit großartiger Aussicht machen. Doch etwa 50 Meter davor stand plötzlich ein Tier auf dem Weg.

Zuerst dachte ich, es sei ein Hund – doch schnell wurde mir klar: Hier oben, fernab jeglicher Zivilisation, lebt kein Hund. Als ich näherkam, erkannte ich deutlich: Ein junger Wolf, etwa 30 Meter entfernt, sah mich interessiert an.

Ich konnte ein paar Fotos machen, bevor er verschwand. Die Begegnung erinnerte mich sofort an meine erste Wolfserfahrung – damals in den griechischen Bergen, als ich nachts auf einem Pass schlief und das Heulen der Wölfe hörte.

Regen, Wind und freundliche Fremde

Nach einem kleinen Snack aus Gebäck, das ich mir in Langar gekauft hatte, begann es wieder zu regnen. Zum Glück kam der Wind von hinten, sodass der Regen nicht ins Gesicht schlug. Auf über 3300 Metern Höhe wird es mit Regen schnell kalt, aber ich war vorbereitet: Unter meiner Regenkleidung trug ich warme, atmungsaktive Kleidung.

Einige Kilometer später begegnete mir ein altes Auto ohne Allrad, in dem zwei Männer saßen. Sie baten mich um eine Luftpumpe, da ihre defekt war und die Reifen Luft verloren. Leider konnte ich ihnen nicht helfen – meine Pumpe ist nur für französische Ventile, und obwohl ich einen Adapter für Autoventile habe, funktionierte die Kombination hier nicht.

Dass sie überhaupt mit diesem Auto über diesen Weg fuhren – bei solchen Bedingungen, mit Platten und ohne Netz – war schon fast leichtsinnig. Aber sie mussten wohl einfach weitermachen.

Konzentration, Höhenluft und Wassersuche

Die Wege blieben extrem anspruchsvoll: grobe Steine, tiefer Sand, Waschbrettpiste. Ich musste mich dauerhaft konzentrieren – jeder Fehler, jede Unachtsamkeit hätte schnell zu einem neuen Defekt oder Unfall führen können.

Ich machte daher regelmäßig kurze Pausen, sowohl um die Landschaft zu genießen als auch wegen der dünner werdenden Luft. Ich befinde mich jetzt auf etwa 3700 Metern, und mein Körper muss sich erst langsam an die Höhe gewöhnen. Diese Nacht werde ich zur Akklimatisierung nutzen – denn morgen steht der nächste große Pass mit über 4000 Metern an.

Am Abend kochte ich mir Nudeln – aber allein fürs Nudelwasser brauchte ich über einen Liter, und auf den letzten fünf Kilometern kam kein Bach mehr. Also musste ich zum Grenzfluss zwischen Tadschikistan und Afghanistan laufen, nahe meines Schlafplatzes, und dort mit meinem Wasserfilter die Flaschen auffüllen.

Bisher hatte ich den Filter kaum gebraucht, aber hier oben ist er unverzichtbar. In den Bergen kann man das Wasser oft trinken, aber aus den großen Flüssen – nach dem, was ich in Darvoz gesehen habe – definitiv nur gefiltert.

Ein Tag zwischen Erschöpfung und Ehrfurcht

Nach diesem anstrengenden, aber wunderschönen Tag in der Hochebene gehe ich jetzt schlafen – in der Hoffnung, dass morgen alles hält, mein Körper die Höhe gut verträgt und ich den nächsten Pass problemlos bewältigen kann.