Tag
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Frühaufsteher, heiße Quellen und steinige Wege

Am heutigen Morgen stand ich bereits um 5:40 Uhr auf. Ich wollte unbedingt noch ein weiteres Mal in die heißen Schwefelquellen von Bibi Fatima – ein Erlebnis, das ich nicht missen wollte. Der Wärter hatte mir am Vortag gesagt, dass die Quellen um 6:00 Uhr öffnen, also rechnete ich mir gute Chancen aus, wieder allein zu sein. Doch das stellte sich als Trugschluss heraus: Einige einheimische Frauen und Männer waren bereits da – scheinbar hatten sie dieselbe Idee.

Ich war nun also früh aufgestanden, hätte aber auch etwas länger schlafen können. Immerhin war ich heute mal im anderen Becken, das jedoch deutlich unspektakulärer war als das große Hauptbecken vom Vortag. Später, als der Frauenturnus beendet war, durfte ich wieder ins größere Bad wechseln.

Insgesamt gönnte ich mir heute drei Gänge ins heiße Wasser, jeweils unterbrochen von Pausen an der frischen Luft. Dort, auf 3200 Metern Höhe, ließ ich den Blick über das atemberaubende Pamir-Gebirge schweifen, während sich mein Körper nach jedem Bad langsam abkühlte. Es war ein Moment purer Ruhe – fast meditativ.

Mein Frühstück bereitete ich mir anschließend im Hostel aus eigenen Vorräten zu:
250 g Haferflocken, ein großer Joghurt, eine zerquetschte Banane, etwas Brot und ein Löffel Erdnussbutter – nahrhaft und ausgewogen. Mit dem Panorama der Berge vor mir packte ich dann meine Sachen und brach auf.

Heute führte mich mein Weg weiter durchs Wakhan Valley, Richtung der Hochebene. Doch die Bedingungen waren gnadenlos:
Die Wege waren so schlecht wie nirgendwo zuvor auf meiner gesamten Pamir-Strecke.
Große, lose Steineendlose Waschbrettpisten, tiefer Sand – all das verlangsamte mein Vorankommen massiv. Es war schlichtweg unmöglich, schneller als 7 km/h zu fahren. Jeder Meter war ein Kampf.

Zu allem Überfluss kam von hinten auch noch eine Regenfront näher. Ich versuchte, ihr zu entkommen – doch „wegfahren“ war bei diesen Wegverhältnissen eher ein langsames Wegschleichen. Glücklicherweise schien sich die Wolkenfront hinter jedem neuen Bergrücken und jeder Kurve etwas zu verziehen. Der Wind wurde zwar kräftiger, doch ich hatte Glück:
Es blieb trocken – die dunklen Wolken zogen, begleitet von heftigen Böen, einfach an mir vorbei.

Nach mehreren Stunden voller Durchhaltevermögen, Konzentration und Muskelkraft kam ich schließlich in Langar an. Am Himmel wurde es immer dunkler, und ich wusste: Das ist das letzte Dorf vor dem langen Anstieg auf die Hochebene. Also entschloss ich mich, noch einmal in ein Hostel zu gehen – um morgen ausgeruht in den Anstieg zu starten.

Zum Abendessen wurde ich mit einem traditionellen Gericht namens Osh verwöhnt – einem würzigen Reisgericht mit Gemüse. Dazu gab es Linsensuppe, frisches Gemüse, süße Wassermelone, Brot und grünen Tee.
Ein wunderbarer Abschluss für diesen harten Tag. Danach fiel ich erschöpft, aber zufrieden ins Bett.