Tag
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Ein halber Pausentag und 50 Kilometer später

Eigentlich hatte ich mir für heute einen Ruhetag vorgenommen. Doch wie so oft auf dieser Reise kam es anders.

Bereits um 5:00 Uhr morgens war ich wach und machte mich auf den Weg zu den heißen Quellen – in der Hoffnung, dort für einen Moment allein sein zu können. Diese Hoffnung wurde schnell enttäuscht: Zwei ältere Herren saßen bereits entspannt im warmen Wasser. Zum Glück blieben sie nicht allzu lange.

Die nächste Stunde genoss ich dann ganz in Ruhe. Das Wasser war wohlig warm, der Dampf stieg sanft auf, und ich blieb so lange, bis meine Haut sich in schrumpelige Waschfrauenhände verwandelte. Es war ein wunderschöner, fast meditativer Start in den Tag.

Anschließend ging ich zum Frühstück in die Cafeteria des Hotels. Alles dort war ziemlich heruntergekommen, und außer mir waren kaum Gäste da. Trotzdem aß ich etwas, bevor ich mich auf einen kleinen Spaziergang durch das Dorf machte.

Ich wanderte ein Stück den Hang hinauf, folgte einem Pfad, der schließlich endete – und legte mich in den Schatten eines großen Steins. Dort lag ich eine Weile, ließ den Blick schweifen und genoss einfach nur den Moment und die Stille.

Zurück in der Unterkunft aß ich noch eine Kleinigkeit und entspannte ein bisschen. Doch das sonnige, angenehme Wetter ließ mich schließlich umdenken: Ich entschloss mich, doch noch weiterzufahren. Zu schön war der Tag, um ihn komplett verstreichen zu lassen.

Also packte ich meine Sachen und machte mich wieder auf den Weg – natürlich über die üblichen holprigen Straßen, die hier längst zur Gewohnheit geworden sind.

Nach 50 Kilometern fand ich schließlich einen wunderschönen Schlafplatz: gut von der Straße geschützt, direkt am Grenzfluss, der Tadschikistan und Afghanistan trennt. Ich baute mein Zelt auf, kochte mir Nudeln, filterte frisches Wasser aus dem Fluss – mein Vorrat war aufgebraucht – und kuschelte mich dann in meinen Schlafsack.

Das gleichmäßige Rauschen des Flusses begleitete mich sanft in den Schlaf.