Tag
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Vom Regen in die Quelle – ein Tag zwischen Kälte, Schlamm und heißem Wasser

In der Nacht hatte es leicht geregnet – zum Glück nicht zu stark. Mein Zelt stand auf einer kleinen Grünfläche, eingeschlossen zwischen zwei Bächen. Wären diese durch zu viel Regen angestiegen, hätte ich im Nassen gelegen. Doch der Morgen zeigte Entwarnung: Alles sah aus wie am Vortag.

Ich wartete bis etwa 9:00 Uhr, ehe ich losfuhr – ich wollte nicht direkt in den Tag mit Regen und Kälte starten. Auf über 2000 Metern Höhe kann selbst leichter Regen sehr unangenehm werden.

Auch heute ging es wieder über holprige, steinige Wege. Nach 65 Kilometern erreichte ich die Stadt Khorugh. Da ich aber noch relativ gut in der Zeit war, entschied ich mich, weiterzufahren, statt dort in einer Unterkunft einzukehren. Ich deckte mich noch mit ausreichend Lebensmitteln ein – denn für die nächsten Kilometer würde es wieder nur vereinzelte kleine Läden geben, meist mit einem sehr begrenzten Angebot.

Etwa 15 Kilometer vor meinem Tagesziel begann es dann kräftig zu regnen. Ich konnte gerade noch rechtzeitig meine Regenkleidung anziehen – zum Glück war ich vorbereitet. Dennoch wurde das Fahren auf den nun sandigen, aufgeweichten Wegen deutlich anstrengender.

Der Regen raubte mir Energie – aber immerhin war es nicht ganz so kalt wie bei anderen Regentagen.

Kurz vor einem steilen Anstieg wurde ich an einem weiteren Militärcheckpoint angehalten. Die Polizisten dort warnten mich: Der Anstieg sei bei dem Wetter gefährlich, matschig und anstrengend.
Doch ich hatte bereits 95 Kilometer in den Beinen – 10 davon im Regen – und wollte unbedingt noch bis zu meinem Tagesziel Garma Chashma kommen. Ich sammelte meine restliche Motivation zusammen und trat weiter in die Pedale.

Die nächsten 6 Kilometer hatten es in sich: 350 Höhenmeter, rutschige, steile Wege, Wasser, das sich seinen Weg talwärts suchte – es fühlte sich an, als würde ich gegen einen Bach hochtreten.Der Schlamm spritzte, die Reifen rutschten, und jeder Meter forderte mich heraus.

Doch dann, durchnässt und durchgefroren, kam ich endlich an:
Garma Chashma, bekannt für seine heißen Quellen – und genau das, was ich jetzt brauchte.

Ich checkte gegenüber in ein altes sowjetisches Hotel ein, das schon bessere Zeiten gesehen hatte, zog mich schnell um und ging sofort zur Quelle. Die heiße Quelle ist frei zugänglich, Tag und Nacht. Das 40° warme Wasser umspülte meinen ausgekühlten Körper, während das 60° heiße Zuflusswasser zwischen den Felsen hervorsprudelte.

Ich war fast allein – nur ein paar Einheimische genossen ebenfalls die wohltuende Wärme. Für mich war es ein Moment purer Erholung nach einem der härtesten Tage der Tour.

Wieder zurück im Hotel wollte ich mir noch schnell etwas kochen. Mein Benzinkocher war im Zimmer nicht erlaubt – aber die beiden Hotelmitarbeiter an der Rezeption boten mir kurzerhand einen Elektroherd mit Pfanne an. Zwar dauerte es gefühlt ewig, bis das Wasser heiß genug war, aber irgendwann waren die Nudeln fertig – und ich konnte endlich mein wohlverdientes, kohlenhydratreiches Essen genießen.

Kurz danach fiel ich einfach nur noch todmüde, aber zufrieden in mein weiches Bett.