Aufstieg, Begegnungen und ein Ruhetag in Kalaikhum
Am Morgen wurde ich mal wieder von den Vögeln und den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Ein weiterer schöner Tag kündigte sich an. Da ich mich mit meinen Essensvorräten ein wenig verkalkuliert hatte, bestand mein Frühstück heute nur aus ein paar Keksen. Nicht gerade die beste Energiequelle für einen anstrengenden Tag – aber es musste bis zum nächsten Supermarkt reichen.
Der Weg von meinem Schlafplatz führte steil nach oben. Meter für Meter schlängelte sich der Pfad in die Höhe. Auf der Karte waren Dörfer eingezeichnet, doch keiner davon hatte einen Markt. Also hieß es: Keksreserven haushalten. Wasser konnte ich immerhin problemlos aus den klaren Gebirgsbächen trinken.
Nach etwa zehn Kilometern und 550 Höhenmetern legte ich eine Pause in einem kleinen Häuschen ein. Von hier aus hatte ich einen grandiosen Blick auf die schneebedeckten Berge auf 2700 Metern. Bald gesellte sich ein älterer Mann zu mir, der versuchte, ein bisschen mit mir zu kommunizieren. Leider klappte das nur mäßig – und da oben funktionierte Google Translate auch nicht, weil der Empfang zu schlecht war.
Die Sonne brannte in dieser Höhe schon stark, also kremte ich mich noch einmal gründlich ein. Dann standen noch rund acht Kilometer und etwa 600 Höhenmeter bis zur Passhöhe an. Der Weg wurde zunehmend schlechter: matschig und steil, gesäumt von immer mehr Gletschern und Schneefeldern, die unter der Sonne schmolzen und den Boden aufweichten.
Nach vier Stunden voller Anstrengung, Schweiß und Staub erreichte ich die Passhöhe auf 3252 Metern. Ein kalter Wind blies dort oben, also zog ich sofort meine Jacke an. Hirten weideten mit ihren Schaf-, Ziegen- und Kuhherden in der Nähe, doch ansonsten war es still. Ich machte Pause und knabberte weiter an meinen Keksen. Mein Magen begann langsam zu knurren – ich wusste, ich brauchte bald etwas Energiereicheres, doch das musste noch warten.
Vor mir lagen noch 37 Kilometer bis zur Stadt Kalaikhum. Obwohl es fast nur bergab ging, brauchte ich dafür knapp vier Stunden. Die Wege waren so anspruchsvoll und steinig, dass ich kaum schneller als 5 km/h fahren konnte. Das zog sich wie Kaugummi.
Mitten auf dem Weg kam mir eine riesige Schaf- und Ziegenherde entgegen. Die Hirten waren mit Eseln unterwegs, die Vorräte und Gepäck trugen. Dieses Bild, auf über 2000 Metern inmitten der atemberaubenden Berglandschaft, werde ich noch lange in Erinnerung behalten.
Kurz darauf erreichte ich einen Imker mit vielen Bienenstöcken. Er bot mir Tee und Fladenbrot mit Honig an – eine willkommene Pause in der brütenden Sonne. Während er ein kleines Hütchen für die kommende Saison präparierte, plauderten wir ein wenig. So konnte ich meinen Hunger mit etwas Honig stillen und mich stärken.
Die letzten zehn Kilometer bis nach Kalaikhum gingen dann wirklich bergab. 10 Kilometer vor der Stadt kontrollierte ein Militärposten meinen Pass. Zum Glück waren die letzten fünf Kilometer zur Stadt geteert – die legte ich in nur zehn Minuten zurück. In den Bergen hatte ich für fünf Kilometer oft die dreifache Zeit gebraucht.
In der kleinen Stadt wurde ich direkt bei der Suche nach einer Unterkunft von einem Hostelbetreiber abgefangen, der wohl die Ankunftszeiten von Radfahrern kannte. Für 17 Euro bekam ich ein gemütliches Zimmer für zwei Tage, inklusive Frühstück und Abendessen. Morgen gönne ich mir einen Ruhetag.
Nach einer erfrischenden Dusche erkundete ich den kleinen Ort. Der Pyandzh-Fluss trennt Tadschikistan hier von Afghanistan – die Menschen dort waren kaum hundert Meter entfernt, auf der anderen Flussseite. Das war surreal: Zwei Länder, so unterschiedlich und doch nur durch einen schmalen Fluss getrennt.
Was mich jedoch sehr erschreckte: Mehrere Frauen warfen während ich die Aussicht genoss, Müll direkt in den Fluss. Ich konnte kaum fassen, wie wenig hier auf die Natur geachtet wird. Ob es eine Müllabfuhr gibt, weiß ich nicht. In vielen Dörfern verbrennt man den Müll – was dann einen beißenden Rauch über die Siedlungen legt. Beides ist keine gute Lösung.








