Tag
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Staubige Pisten, herzliche Begegnungen und ein Schlafplatz im Dorfladen

Heute weckte mich die Sonne, die langsam hinter den Bergen emporstieg. Die Luft war frisch, der Fluss rauschte neben mir, und die grünen Hügel rundherum leuchteten in warmem Morgenlicht. Zwischen den blühenden Pflanzen wirkte alles fast ein bisschen magisch – ein wunderschöner Start in den Tag.

Ich aß ein einfaches Frühstück, packte meine Sachen zusammen und schob mein Rad zurück auf den Weg. Das Tal, in dem ich geschlafen hatte, lag eingebettet zwischen zwei großen Anstiegen – das hieß für mich: gleich wieder bergauf, über grobe Schotterpisten, die jede Schraube meines Fahrrads auf die Probe stellten. Es war ein ständiges Auf und Ab – Kurve um Kurve, Stein um Stein, immer weiter durch die Berge.

Nach gut 30 Kilometern erreichte ich ein Tal, in dem gerade ein großer Sonntagsmarkt stattfand. Plötzlich war alles voller Leben: Händler riefen, Kinder rannten herum, überall wurden Kleidung, Werkzeug, Gemüse, Obst und allerlei Kleinkram verkauft. Ich nutzte die Gelegenheit, um meine Wasservorräte aufzufüllen – es war wieder sehr warm heute.

Einige Anstiege später erreichte ich einen Polizeiposten, an dem zwei Wege zusammenliefen: der neue, asphaltierte Pamir Highway – und der alte, deutlich ruppigere. Ich hatte mich ganz bewusst für den alten Pamir Highway entschieden. Zwar sind die Straßen dort kaum befahrbar, aber die Landschaft ist atemberaubend – und man spürt auf diesen alten Pfaden noch mehr die Geschichte des Landes.

Ab diesem Punkt wurde die Piste noch schlechter – tiefer, staubiger, löchriger. Doch die Landschaft entschädigte für alles. Irgendwann entdeckte ich auf einer Art Lichtung ein Wohnmobil, das mir bekannt vorkam – und tatsächlich: Es gehörte dem spanischen Ehepaar, das ich im Green House Hostel in Duschanbe kennengelernt hatte! Sie waren heute Morgen losgefahren und hatten sich diesen Platz für ihre erste Übernachtung ausgesucht. Wir plauderten eine Weile und sie verwöhnten mich mit selbstgemachtem Raw Food – ein echter Luxus mitten im Nirgendwo.

Nach insgesamt 65 Kilometern und rund 1.400 Höhenmetern erreichte ich am Abend ein kleines Dorf mit einem Minimarkt. Ich wollte eigentlich nur ein paar Vorräte nachkaufen – doch der Besitzer merkte schnell, dass ich auch einen Schlafplatz suchte. Er bot mir freundlich an, in einem Nebenraum seines Geschäfts zu übernachten, in dem ein paar Matratzen lagen. Ich nahm dankend an – so viel Gastfreundschaft ist keine Selbstverständlichkeit.

Nebenan im Gemeindehaus konnte ich mich sogar noch waschen – eine Wohltat nach einem staubigen Tag mit Sonne, Schweiß und Sonnencreme. Kurz darauf trafen auch zwei andere Radreisende ein, von denen mir die Spanier schon erzählt hatten: eine Ungarin und ein Italiener. Auch sie übernachteten hier – und so bildeten wir spontan eine kleine Radlergemeinschaft.

Gemeinsam saßen wir noch lange beisammen, teilten unser Abendessen und tauschten Geschichten und Tipps aus. Die Stimmung war herzlich, entspannt, fast familiär. Nach meiner Abendroutine legte ich mich gegen 20:30 Uhr schlafen – zufrieden, erschöpft und voller Vorfreude auf den nächsten Tag.