Tag
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Von Schweißnähten, Granatäpfeln und Hammam-Dampf – Ein produktiver Tag in Buxoro

Als ich morgens mein Fahrrad noch einmal genauer unter die Lupe nahm, entdeckte ich eine unschöne Überraschung: Eine der Halterungen des Gepäckträgers war aus dem Rahmen gebrochen. Das bedeutete, dass der Stahlrahmen an dieser Stelle beschädigt war – eine Reparatur war also dringend nötig, um größeren Schaden zu vermeiden.

Da mein Rahmen aus Stahl besteht, war mir zum Glück klar: Das lässt sich ohne Probleme schweißen. Nach dem Frühstück machte ich mich deshalb direkt auf den Weg zu einem Fahrradladen in Buxoro. Vorher telefonierte ich noch mit meinem Mechaniker des Vertrauens, der mir genau erklärte, worauf ich bei der Reparatur achten muss. Mit meinen Notizen im Gepäck ging ich in den besten Fahrradladen der Stadt und erklärte dort mein Problem.

Sie versicherten mir, dass das kein Problem sei – ich müsse nur kurz warten. Nach etwa einer halben Stunde war mein Fahrrad an der Reihe. Zunächst wurde die beschädigte Stelle vom Lack befreit, damit die Schweißarbeiten überhaupt möglich waren. Dann wurde das abgebrochene Teil mit Kabelbindern fixiert – Schrauben wären bei der Hitze des Schweißens im Gewinde festgeschmolzen. Ich war wirklich froh, dass hier jemand mit Sachverstand am Werk war. Der Mechaniker arbeitete sorgfältig, schweißte mehrere Lagen übereinander, flexte die Nahtstellen glatt und versiegelte alles mit mehreren Schichten Klarlack und schwarzem Lack. Nach rund einer Stunde war alles erledigt – und das für gerade einmal acht Dollar. Ich war erleichtert und konnte beruhigt zurück ins Hotel fahren.

Meine zweite Baustelle an diesem Tag war mein Geldbeutel. Der Reißverschluss hatte den Geist aufgegeben – einige Zähne waren kaputt. Statt ihn wegzuwerfen, wollte ich ihn nachhaltig reparieren lassen. Ich fand einen Schneider, der mir für ebenfalls acht Dollar einen komplett neuen Reißverschluss einnähte. Außerdem fügte er eine neue Innentasche mit einem hübschen Granatapfel-Print hinzu – ein Stoff, aus dem er auch Kleidung und Accessoires fertigte. Mir gefiel der Print so gut, dass ich mir gleich noch ein passendes T-Shirt dazu kaufte.

Direkt im Anschluss stand meine gebuchte Free Walking Tour an. Der Guide war super – charmant, witzig und voller spannender Informationen. Zusammen mit einer Engländerin, zwei Niederländern und mir führte er uns durch Moscheen, Mausoleen und die beeindruckende Altstadt. Wir verstanden uns alle auf Anhieb richtig gut, und am Ende der Tour wurde viel gelacht und gewitzelt.

Danach zog es mich noch einmal in den Park an der Stadtmauer. Dort hörte ich viele Rabenkrähen, die gerade ihre Jungtiere fütterten. Drei kleine Ästlinge saßen noch unbeholfen auf der Wiese, und immer wieder flogen die Eltern heran, um sie zu versorgen. Auch wenn ich nur mein Weitwinkel dabei hatte, konnte ich ein paar schöne Porträts machen. Es war schön zu sehen, dass ich sogar auf dieser Reise meiner Leidenschaft für die Naturfotografie nachgehen konnte. Auf dem Rückweg bemerkte ich in einigen Bäumen die Schlafplätze von Hirtenstaren – laut, lebhaft und, sagen wir mal… nicht gerade sauber.

Als es dunkler wurde, stand noch mein morgendlicher Termin im Hammam an. In einem traditionellen usbekischen Hammam ließ ich mich massieren, auf heißen Steinen entspannen und ordentlich abschrubben. Nach den letzten kräftezehrenden Etappen war das genau das Richtige. Im Vergleich zum türkischen Hammam fiel mir auf, dass die Massage hier deutlich intensiver war und der Stein spürbar heißer – eine Sauna gab es hingegen nicht.

Zurück in der Stadt besorgte ich mir noch einen kleinen Snack und fiel dann müde, aber zufrieden ins Bett. Ein Tag voller Reparaturen, Entdeckungen und Entspannung – Buxoro hatte heute alles zu bieten.