Von Pause, Sandsturm und Staubpiste – ein Kontrasttag in Xiva und auf dem Weg zum Amudarja
Heute war ein Pausentag in Xiva angesagt. Die letzten beiden Nächte hatte ich jeweils nur fünf bis sechs Stunden geschlafen – mein Körper verlangte also dringend nach Erholung. Dass daraus allerdings 13,5 Stunden Schlaf wurden, hätte ich nicht gedacht. Als ich um 14:30 Uhr aufwachte, konnte ich die Uhrzeit erst kaum glauben. Auch das Frühstück, das nur bis 10 Uhr serviert wurde, hatte ich damit natürlich verpasst. Also musste ich meine Tagespläne etwas beschleunigen.
Zuerst stand der Kauf einer neuen SIM-Karte an. Meine bisherige eSIM war einfach viel zu langsam – mit dem Ucell-Netz erhoffte ich mir besseren Empfang. Danach nutzte ich die verbleibende Zeit, um mir die Sehenswürdigkeiten Xivas genauer anzusehen. Besonders faszinierend fand ich die vollständig aus Lehm gebaute Stadtmauer. In einem angrenzenden Park hörte ich viele Rabenkrähen rufen und entdeckte schließlich auch einige Ästlinge – also junge Krähen, die gerade ihr Nest verlassen haben und am Boden noch von ihren Eltern gefüttert werden. Ich hatte zwar nur mein Weitwinkelobjektiv dabei, aber weil die Jungvögel keinerlei Scheu zeigten, konnte ich trotzdem ein paar schöne Aufnahmen machen. So begleitet mich die Vogelfotografie auch auf dieser Reise, ganz ohne Teleobjektiv.
Anschließend besuchte ich die Altstadt mit ihren zahlreichen Moscheen, Minaretten, Grabstätten und Tempeln. Für rund sieben Euro stieg ich auf eines der Minarette – von oben bot sich mir ein weiter Blick über die Stadt. Der blaue Himmel war jedoch hinter einem dichten Sandsturm verborgen, der eine feine Staubschicht über alles legte.
Später ruhte ich mich auf einer traditionellen usbekischen Sitzgelegenheit aus. Plötzlich erklang laute Musik – in der Altstadt begann eine Tanzvorführung junger Einheimischer in traditionellen Gewändern. Viele Zuschauer, darunter auch ich, versammelten sich, feuerten an und genossen die ausgelassene Stimmung. Es war berührend zu sehen, wie selbstbewusst die Jugendlichen ihre Kultur präsentierten – mitten zwischen all den Touristen.
Am Abend traf ich mich mit zwei Deutschen, die ich schon in Beineu kennengelernt hatte. Sie waren ebenfalls in Xiva angekommen und wir kehrten in das Restaurant ein, in dem ich auch am Vorabend gegessen hatte. Gemeinsam verbrachten wir einen schönen Abend und wurden sogar mit einer Live-Musikdarbietung überrascht – ein anderer Tisch hatte Musiker gebucht, und wir durften kostenlos zuhören.
Zurück im Hostel machte ich mein Rad noch etwas sauber, schmierte den Riemen mit Silikonspray und packte meine Sachen für die nächste Etappe. Am nächsten Morgen ließ ich es ruhig angehen, da ich spät ins Bett gekommen war. Nach einem einfachen Frühstück ging es wieder los – zurück zur Hauptstraße, auf 90 Kilometern kaputter, zerfurchter Strecke, die man kaum noch als Straße bezeichnen kann. Ich schlängelte mich Richtung Nordosten, in Richtung der turkmenischen Grenze. Ab Kilometer 90 wurde die Straße dann schlagartig besser – ich fuhr die restlichen 65 Kilometer zügig bis zum nächsten Dorf am letzten Zipfel des Flusses Amudarja.
Dort war ich dann wirklich erschöpft. Als ich in einem kleinen Restaurant nur nach Wasser fragte, bot man mir gleich eine Übernachtungsmöglichkeit an – ein echtes Geschenk. Ich wusch mich dort mit einem Eimer Wasser und einer Kelle – mit Wasser wird hier sehr sparsam umgegangen. Auch meine Radkleidung konnte ich notdürftig per Handwäsche von den Salzrückständen des Schweißes befreien.
Da ich eigentlich noch an den Fluss wollte, ließ ich Fahrrad und Schlafsachen in der Unterkunft und machte mich zu Fuß auf – ein Spaziergang von zwei Kilometern bis zum großen Amudarja. Dort erwartete mich eine wunderschöne Szenerie. Ich konnte meinen ersten Blauwangenspint beobachten, der zur Familie der Bienenfresser gehört, sowie Stelzenläufer und einige Limikolen. Im Licht der untergehenden Sonne trat ich den Rückweg an. Kurz verlor ich ein wenig die Orientierung, fand aber im Dunkeln doch wieder zur Unterkunft zurück. Unterwegs begegnete mir noch eine kleine Schlange und einige flink huschende Käfer.
In der Unterkunft wurde mir zum Abschluss noch eine leckere Nudelsuppe serviert – dann war der Tag geschafft und ich fiel müde ins Bett.




