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Zwischenstation: Abschied von Georgien und Flug über das Kaspische Meer

Nachdem ich mit meinen Eltern eine Woche Urlaub in Georgien gemacht hatte – von Tiflis aus über das Inland bis an das Schwarze Meer –, konnte ich mich gut erholen. Parallel musste ich jedoch meine Weiterreise planen. Schnell wurde klar: Der Weg über Land war diesmal keine Option. Russland und der Iran schieden aufgrund der unsicheren politischen Lage aus, und Aserbaidschan hatte seine Landgrenzen weiterhin geschlossen. So blieb mir nichts anderes übrig, als das Kaspische Meer mit dem Flugzeug zu überqueren.

Ich suchte nach einem Flug von Tiflis nach Aktau in Kasachstan. Doch das war leichter gesagt als getan: Die Preise bei Azerbaijan Airlines stiegen täglich – von anfangs 280 Euro (ohne Fahrrad oder Zusatzgepäck) bis auf über 500 Euro. Als ich sah, dass sich die Preise innerhalb eines Tages verdoppelt hatten, musste ich schnell handeln. Glücklicherweise fand ich noch einen Direktflug von Tiflis nach Aktau für nur 170 Euro, mit einer Flugzeit von gerade einmal 1 Stunde und 40 Minuten. Ich schlug sofort zu.

Am Ende kostete der gesamte Flug mit zwei aufgegebenen Gepäckstücken, Handgepäck, meinem Fahrrad und mir rund 350 Euro. Kein Schnäppchen, aber angesichts der Menge an Gepäck und der schwierigen Reiseroute ein fairer Preis. Mit dem Ticket in der Tasche konnte ich den Urlaub noch einmal mehr genießen – die Weiterreise war gesichert.

Am Tag des Abflugs nahm ich ein Bolt-Taxi, das mich für umgerechnet nur 2 Euro in einer halben Stunde vom Apartment in Tiflis zu dem Fahrradladen brachte, bei dem ich mein Rad während des Urlaubs untergestellt hatte. Die Mitarbeiter dort hatten mir angeboten, mein Fahrrad gegen eine faire Gebühr sicher in eine Transportbox zu verpacken und mich samt Box zum Flughafen zu bringen – ein unschlagbarer Service. Da mein Flug um 2:00 Uhr nachts ging, öffneten sie sogar extra am Abend noch einmal den Laden, um alles fertig zu machen.

Pünktlich um 23:00 Uhr ging es dann los – der Fahrer brachte mich samt Fahrradbox und Gepäck zum Flughafen. Meine Eltern kamen mit den Fahrradtaschen nach und halfen beim Check-in. Wir hatten die Taschen in reißfeste, wasserdichte Zementsäcke verpackt, die perfekten Schutz boten. Die Haken für die Gepäckträger hatten wir vorsichtshalber abgeschraubt, damit sie beim Transport nicht beschädigt werden konnten.

Als auch der letzte stressige Teil – das Einchecken des Fahrrads und der Taschen – geschafft war, fiel mir ein großer Stein vom Herzen. Ich verabschiedete mich von meinen Eltern, die mich die Woche über begleitet hatten, und ging gemeinsam mit zwei weiteren Radreisenden – einem Franzosen und einem Deutschen – durch den Sicherheitscheck. Dort trafen wir sogar noch zwei US-Amerikaner mit ihren Rädern.

In dieser Nacht flogen also fünf Fahrräder mit uns nach Kasachstan – allein auf diesem einen Flug. Es zeigt, wie viele Radreisende diese Route wählen. Ein kleines, aber starkes Netzwerk von Menschen, die auf zwei Rädern die Welt entdecken.