Tag
1

Zwischen Steinwüsten und Herzenswärme – ein Tag voller Kontraste 
 
An diesem Morgen wachte ich mit der Sonne auf – begleitet vom fernen, klagenden Ruf der Limikolen und dem wilden Geschnatter verschiedener Gänsearten. Ihre Stimmen hallten über den stillen Salzsee, der noch in das weiche Licht des Morgens getaucht war. Diese Geräuschkulisse war einmal mehr magisch – ein fast surreales Erwachen. Ich ließ meine Drohne steigen, um die friedliche Stimmung von oben einzufangen, dann begann ich mein Zelt zusammenzupacken. 
 
Der Salzsee lag eingebettet in ein weites Tal zwischen Bergen. Um auf meine geplante Route zurückzukehren, musste ich das Tal hinter mir lassen und erneut einen dieser Berge überwinden. Komoot führte mich zunächst noch einige Kilometer durch das Tal – doch die Wege, auf die ich dort traf, waren eine Katastrophe: tiefer Sand, lockerer Schotter, steiniger Untergrund und dazwischen das typische Waschbrettprofil. Immer wieder donnerten schwere LKWs an mir vorbei, die Schotter, Sand oder Steinmaterial aus dem Tal abtransportierten. 
 
Jeder Meter war eine Herausforderung. Die Reifen meines Fahrrads rutschten, der Lenker vibrierte, und mein ganzer Körper musste mitarbeiten, um überhaupt voranzukommen. Als es dann bergauf ging, war der Weg weiterhin nicht geteert – nur ein holpriger, schlammiger Pfad mit über 200 Höhenmetern. Trotz aller Anstrengung wurde ich mit einer großartigen Aussicht belohnt. Die Natur war zum Greifen nah, und für einen Moment vergaß ich das Gerüttel und Geklapper. 
 
Doch kaum hatte ich den Abstieg hinter mir, zog Regen auf. Erst ein paar Tropfen, dann ein stetiger Niesel, bis es ab etwa 15 Uhr schließlich ununterbrochen regnete. Ich zog meine Regensachen an und stellte mich auf einen langen, nassen Nachmittag ein. Irgendwann war ich bis auf die Haut durchnässt und wusste: Ich brauchte dringend eine Unterkunft. 
 
Ich suchte zunächst Schutz bei einer kleinen Moschee. Zwei neugierige Jungs kamen vorbei, schauten sich mein Rad an und fragten mich aus. Sie waren fasziniert, konnten mir aber nicht helfen. Die Moschee war ungeheizt und sogar kälter als draußen – dort zu übernachten war keine Option. 
 
Als der Regen kurz nachließ, bemerkte ich Bewegung auf einem benachbarten Bauernhof. Ich fasste mir ein Herz und fragte den Landwirt, ob ich bei ihm unterkommen könnte. Harun, etwa 35 Jahre alt, überlegte kurz – und sagte dann zu. Er brachte mich in das Gästehaus des Hofes, zündete sofort den Ofen an und half mir, wieder warm zu werden. Ich war unglaublich dankbar. 
 
Kurz darauf servierte er mir ein üppiges Abendessen: Nudeln mit Bolognese, frischer Salat und eine dampfende türkische Suppe. Es war so reichlich, dass ich nur einen Bruchteil davon essen konnte – mein Magen war irgendwann einfach voll. Später kamen noch ein paar Freunde von Harun vorbei, ebenfalls Landwirte aus dem kleinen Dorf mit rund 500 Einwohnern. Gemeinsam saßen wir im Wohnraum, tranken Tee und redeten so gut es ging. Es war eine angenehme, ruhige Stimmung – ganz im Kontrast zu dem rauen, anstrengenden Tag davor. 
 
Gegen 22 Uhr verabschiedeten sich die Männer. Ich begann meine Abendroutine: Dehnen, die Faszienrolle für die Beine, Supplements, Zähneputzen und schließlich noch etwas Pflege für meine Knie – mit Massageöl und einer beruhigenden Creme. Müde, aber zufrieden, fiel ich wenig später in das warme Bett.