Tag
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Eine Tour mit gemischten Gefühlen

Der nächste Tag startete mit einer Empfehlung des Hostelbetreibers: eine geführte Tour zu einer der beeindruckenden unterirdischen Städte Kapadokiens und einem wunderschönen See. Da diese Orte mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen sind, ließ ich mich auf das Angebot ein – in der Hoffnung, so mehr von der Region zu sehen.

Leider entsprach die Tour nicht meinen Erwartungen. Mit einem kleinen Bus ging es von einem touristischen Hotspot zum nächsten. Kaum angekommen, blieben uns jeweils nur etwa zehn Minuten, um die Orte zu erkunden. Für meinen Geschmack viel zu wenig, um wirklich Atmosphäre aufzunehmen oder in Ruhe Fotos zu machen.

Zwischendurch wurden wir in einen Juwelier gebracht, in dem man versuchte, uns etwas zu verkaufen. Ich hatte kein Interesse und fühlte mich dabei eher fehl am Platz. Am Ende der Tour folgte noch ein Stopp in einem Süßwarengeschäft – auch hier mit dem klaren Ziel, uns zum Kaufen zu animieren. Das Ganze hatte mehr von einer Verkaufsveranstaltung als von einer echten Entdeckungsreise.

Das einzig wirklich beeindruckende Highlight war die unterirdische Stadt. Eine von vielen in der Region – aber diese war besonders groß, gut erhalten und zugänglich. Es gab dort Belüftungsschächte, Lagerräume, Speisekammern, Notfalltunnel, Viehställe und Aufenthaltsräume. Es war faszinierend zu sehen, wie durchdacht und komplex diese Stadt unter der Erde gebaut wurde. Gleichzeitig war es aber auch überlaufen – Touristen, soweit das Auge reichte.

Mir wurde an diesem Tag bewusst: Solche geführten Gruppentouren sind nicht meine Art, einen Ort kennenzulernen. Ich brauche Zeit, Raum, Freiheit. Ich will anhalten, wo es mich fesselt, und nicht dann weiterfahren, wenn die Gruppe ruft. Ich fühlte mich eher herumgereicht als inspiriert.

Am Abend ging ich mit Fabio, den ich im Hostel kennengelernt habe, noch etwas essen. Nach diesem Tag voller Eindrücke – und auch kleiner Enttäuschungen – fiel ich müde ins Bett.