Ein Wintermorgen in Kapadokien – Schnee, Staunen und ein kleiner Dämpfer
Am Vortag hatte ich mir den Wecker auf 4:00 Uhr morgens gestellt. Zu dieser Zeit beginnt die Sonne langsam aufzugehen, und die berühmten Heißluftballons bereiten sich darauf vor, in den Himmel zu steigen. Als ich jedoch den Reißverschluss meines Zelts öffnete, spürte ich sofort, dass etwas anders war. Der Reißverschluss klemmte – ungewöhnlich. Und dann sah ich es: Kapadokien war über Nacht unter einer Schneedecke verschwunden. Die Temperaturen waren unter null gefallen, und mehrere Zentimeter Schnee hatten sich über die märchenhafte Landschaft gelegt. Der Anblick war magisch – noch am Abend zuvor hatte ich die Felsen ohne Schnee gesehen, und nun lag alles in einem weißen, nebligen Schleier.
Die Ballons starteten an diesem Morgen nicht – zu viel Schnee, zu wenig Sicht. Stattdessen holte ich direkt meine Kamera raus, fing die Szenerie aus verschiedenen Perspektiven ein und genoss diesen ganz eigenen, stillen Zauber.
Anschließend packte ich mein Zelt zusammen und rollte vom Hügel hinunter in die Stadt Göreme. Dort hatte ich mir vor ein paar Tagen ein Hostel für zwei Nächte gebucht. Im Diadem Hostel angekommen, wurde ich freundlich empfangen. Der Gastgeber betreibt das Hostel mit viel Liebe zum Detail und Herzlichkeit. Da ich zu früh dran war, vertrieb ich mir die Zeit bei ein paar Gläsern Tee und Gesprächen mit dem Gastgeber und anderen Reisenden.
Als mein Fahrrad und meine Taschen sicher verstaut waren, machte ich mich auf zu einer Wanderung durch die Felslandschaften Kapadokiens. Zuerst besuchte ich das Open Air Museum von Göreme. Es bot nicht nur einen faszinierenden Einblick in die Entstehung dieser Landschaft, sondern auch in die Lebensweise der Menschen, die hier vor Jahrhunderten in Höhlen lebten. Die Felsen sehen teils aus wie von Künstlerhand geformt – Gesichter, Skulpturen, ganze Gebäude scheinen sich aus dem weichen Tuffstein zu erheben.
Nach dem Museumsbesuch wanderte ich weiter, durch enge Schluchten, vorbei an skurrilen Felsformationen und kleinen, herausfordernden Pfaden. Besonders beeindruckend war das Red Valley mit seinen rötlich gefärbten Steinen, die teilweise auch gelbe, grüne oder weiße Nuancen aufwiesen. Überall waren in die Felsen kleine Fenster, Türen, Kirchen und sogar burgähnliche Strukturen gemeißelt – es fühlte sich an wie eine Reise durch eine andere Welt. Insgesamt wanderte ich an diesem Tag rund 15 Kilometer durch Schnee, Hagel, Sonne und Wolken – von Schlucht zu Schlucht, ein Naturwunder nach dem anderen.
Am Abend ging ich in der Stadt etwas essen. Zuerst wollte man mir für eine Pizza 20 € abknöpfen – ich ließ mich jedoch nicht abzocken und fand kurz darauf eine leckere Pizza für faire 8 €. Der Moment erinnerte mich daran, dass man in einem touristischen Ort wie Göreme als Reisender immer wachsam sein muss.
Am nächsten Tag empfahl mir der Hostelbetreiber eine geführte Tour – sie sollte zu einer unterirdischen Stadt und einem schönen See führen. Da die Orte nur schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, entschied ich mich, mitzufahren. Leider wurde ich enttäuscht. Statt einer echten Erfahrung wurde ich von Hotspot zu Hotspot im Minibus gekarrt – jeweils mit kaum 10 Minuten Zeit zum Verweilen. Es gab Stopps bei einem Juwelier und einem Süßwarenladen, bei denen man offensichtlich zum Kauf animiert werden sollte. Die unterirdische Stadt war jedoch ein echtes Highlight: ein gigantisches System aus Lüftungsschächten, Speisekammern, Lagerräumen, Notgängen und Viehställen – alles tief unter der Erde.
Trotzdem merkte ich, dass solche geführten Touren einfach nicht mein Ding sind. Ich will Orte fühlen, erleben, erkunden – und nicht im Eiltempo durchgeschleust werden.
Am Abend ging ich mit Fabio essen, den ich im Hostel kennengelernt hatte. Wir hatten gute Gespräche und lachten viel. Danach fiel ich müde, aber zufrieden, in mein Bett.








