Durch einen sehr gefährlichen Schneesturm- zum Glück mit gutem Ausgang
An diesem Morgen wurde ich mal wieder vom Schnee überrascht. Während ich frühstückte, sah ich aus dem Fenster, wie die ersten Flocken fielen. Ein Blick auf die Wetter-App bestätigte: Es sollte noch mehrere Stunden lang schneien. Ich nahm es als sportliche Herausforderung. Doch kaum hatte ich meine Sachen gepackt, fiel mir auf, dass ich erneut einen Platten am Hinterrad hatte – zum fünften Mal auf dieser Reise. Genervt wechselte ich den Schlauch, was mich fast eine Stunde Zeit kostete.
Als ich endlich losfuhr, wurde der Schneefall immer intensiver. Begleitet von heftigem Wind kämpfte ich mich durch den Sturm. Besonders hart wurde es, als es auf einen kleinen Berg ging. Schneeverwehungen bedeckten die Straße, und ich konnte kaum noch erkennen, wie der Untergrund beschaffen war. Der Wind peitschte mir mal von der Seite, mal direkt ins Gesicht.
Je höher ich kam, desto extremer wurde der Schneesturm. Als ich kurz auf mein Handy schaute, merkte ich, dass sich Eiszapfen an meinen Augenbrauen und Wimpern gebildet hatten. Dank meiner Sturmhaube blieb immerhin mein Bart vor dem Gefrieren verschont. Trotz mehrerer Kleidungsschichten drang die Kälte durch. Der Wind, der Schnee – alles raubte mir Kraft. Ich wusste: Ich musste dringend einen warmen Unterschlupf finden. Aber weit und breit war kein Dorf in Sicht.
Ich kämpfte mich weiter durch den Sturm, Meter für Meter, bis ich endlich ein kleines Dorf erreichte. In der Hoffnung auf einen trockenen Platz suchte ich die Moschee auf – doch sie war verschlossen. Im ganzen Dorf war niemand auf der Straße. Die Stimmung war trostlos, der Schnee peitschte weiter, meine Hoffnung schwand.
Dann sah ich plötzlich Bewegung hinter einem Fenster. Ich fasste mir ein Herz und ging zu dem Haus. Es gab keine Klingel, also öffnete ich vorsichtig die nicht verschlossene Tür, um mich bemerkbar zu machen. Kurz darauf kamen einige Kinder und eine Frau ins Haus – vorsichtig, skeptisch. Sie forderte meinen Pass, um sicherzugehen, dass ich kein Eindringling war. Später erfuhr ich, dass in der Gegend immer wieder Diebstähle durch durchziehende Gruppen aus verschiedenen Ländern vorkommen. Als sie sah, dass ich wirklich nur Schutz vor dem Wetter suchte, schlug ihre Zurückhaltung schnell in Gastfreundschaft um.
Sie bot mir sofort etwas zu essen an – und wie! Es gab türkische Suppe, Gebäck, Tee, verschiedene Säfte und mehr. Ich war überglücklich – aufzutauen, mich zu stärken und einfach mal durchzuatmen.
Die Frau erzählte mir, dass sie mit ihrer Familie in Dänemark lebt. Das Haus im Dorf ist ihr Sommerhaus – sie sind etwa fünfmal im Jahr hier. Ihren Mann hat sie kennengelernt, als sie ihre Großeltern besuchte, die in diesem Dorf leben. Dass ich sie ausgerechnet an diesem Tag getroffen habe, war wirklich pures Glück.
Zum Mittagessen kam die ganze Familie zusammen: Reis, Salat, Dips, Gemüse, Suppe – ich wurde rundum verwöhnt. Danach fuhren die beiden Söhne mit ihrem Großvater und mir zu den Kuşça Peri Bacaları – faszinierende Felsformationen, die wie aus einer anderen Welt wirkten. Mir wurde gesagt, das sei ein kleiner Vorgeschmack auf Kapadokien. Wenn das ein Vorgeschmack war, kann ich mir kaum vorstellen, wie mich Kapadokien umhauen wird.
Am Abend gab es noch Pancakes mit Erdnussbutter und Schokokuchen – ein echtes Highlight. Wir unterhielten uns viel, schauten gemeinsam meine kurzen Videos an, und die Familie war richtig begeistert.
Da Männer und Frauen in muslimischen Familien getrennt schlafen, konnte ich nicht im Haupthaus übernachten. Stattdessen brachte mich der Großvater zu sich nach Hause und bot mir dort eine warme Schlafmöglichkeit an – was für eine Selbstverständlichkeit für ihn, was für ein großes Geschenk für mich.






