Tag
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Vom warmen Schlafraum in die Kälte ,durch die beschneiten Berge, bis zum nächsten warmen Platz

Heute Morgen wachte ich in einem angenehm warmen Zimmer auf. Der Ofen hatte die Nacht durchgeheizt, und es war richtig gemütlich. Doch kaum trat ich aus dem Zimmer, traf mich die kalte Realität: draußen lagen ein paar Zentimeter Schnee, und das Thermometer zeigte eisige -2 °C. Die Aussicht auf die schneebedeckten Hügel war atemberaubend – ein wunderschöner, ruhiger Morgen. Doch der Gedanke daran, gleich in dieser Kälte aufs Rad zu steigen, ließ mich noch etwas zögern. 

Zum Glück wurde ich zunächst mit einem leckeren Frühstück mit der Familie verwöhnt. Danach hieß es für mich wieder aufs Rad steigen. Der Schnee hatte mittlerweile aufgehört, und die Sonne kämpfte sich durch die Wolken. Zwei große Anstiege standen heute an: der erste auf 1650 m, der zweite sogar auf 1730 m Höhe. Ich war gespannt, wie die Straßenverhältnisse sein würden. 

Ab etwa 1300 m lag links und rechts der Straße überall Schnee – ein paar Zentimeter, die die Landschaft in ein winterliches Märchen verwandelten. Doch die Straße selbst war frei und gut befahrbar. Ich kam langsam, aber stetig voran. Der Gegenwind machte es nicht leichter, aber bei dieser Kulisse konnte ich kaum klagen. Sonnenlicht auf dem Schnee, weitläufige Hügel, Ruhe – das war purer Genuss. 

Nach den Höhenmetern folgte eine traumhafte Abfahrt ins Tal. Unten lag kein Schnee mehr, und ich konnte wieder etwas schneller fahren. Mein Tagesziel war Çeşmelisebil, etwa 130 km von meinem Startpunkt entfernt. Doch 30 km vor dem Ort checkte ich erneut die Wetter-App – die Nacht sollte wieder frostig werden, mit Temperaturen bis -4 °C. Mein Zelt wäre unter diesen Bedingungen keine gute Option gewesen. 

Also begann ich, mich im Dorf nach einer Schlafmöglichkeit umzuhören. Hotels oder Ferienunterkünfte gab es hier natürlich keine. Ich fuhr durch das fast ausgestorbene Dorf, klopfte hier und da – ohne Erfolg. Dann sah ich ein Auto – ein Hoffnungsschimmer! Ich trat kräftig in die Pedale und erwischte den Fahrer gerade noch, bevor er losfuhr. 

Er erklärte mir, dass er selbst nur zu Besuch sei und bald zurück nach Konya fahren würde. Doch er fragte seinen Gastgeber, ob ich vielleicht bei ihm unterkommen könne. Und tatsächlich – kurze Zeit später bekam ich die Zusage: Ich durfte im Gästehaus des Farmers übernachten. Der Bauer erwartete uns bereits und heizte den Kamin im Hauptraum an – dringend nötig, denn es wurde schnell bitterkalt. 

Auf die Frage, ob ich etwas essen wolle, sagte ich natürlich ja. Mein Helfer brachte mich mit dem Auto zum einzigen Restaurant im Dorf – geschlossen. Doch das war kein Problem. Er rief den Besitzer an, der versprach, mir in einer Stunde frisches Essen ins Gästehaus zu bringen. 

In der Zwischenzeit bereitete der Bauer Tee zu, und wir unterhielten uns so gut es ging. Er erzählte, dass er Weizen und Gerste anbaut und in diesem Dorf geboren wurde. Als ich ihn fragte, ob er schon mal beim nahen Salzsee gewesen sei – nur etwa 100 km entfernt – lachte er nur und sagte, dass er da mit seinem Traktor nicht hinkomme. Das zeigte mir einmal mehr, wie einfach das Leben hier ist – und wie stark es von der täglichen Arbeit geprägt ist. 

Er beklagte sich über die niedrigen Preise für seine Ernte und die steigenden Abgaben. Die Politik, sagte er, mache es den Bauern schwer, noch gut zu leben. Später kam der Restaurantbesitzer mit frischem Lahmacun vorbei – ein weiteres Beispiel für die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Menschen hier. Er rief sogar direkt einen Freund an, der Deutsch spricht, um die Kommunikation zu erleichtern – ein typischer Move, den ich mittlerweile öfter in der Türkei erlebt habe. 

Nach dem Essen und einem letzten Tee war ich müde und zufrieden. Der Bauer hatte mir eine Matratze vorbereitet, ich rollte mich ein, spürte die Wärme des Ofens – und schlief tief und fest.