Tag
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Vom Abschied von Serkan in Antalya über den Aufstieg ins Hochplateau bis zur warmherzigen Begegnung mit ein paar Türken.

Der Tag begann heute ungewohnt früh. Serkan musste zur Arbeit und wollte, dass ich gemeinsam mit ihm das Haus verlasse. Leider vertraute er mir nicht genug, um mir zuzutrauen, dass ich alleine alles in Ruhe zusammenpacke und das Haus selbstständig abschließe. So begann meine Morgenroutine bereits um sechs Uhr: schnelles Frühstück, Sachen packen – und los.

Zunächst rollte ich flach an der Küste entlang, vorbei an den morgendlichen Silhouetten Antalyas. Nach etwa 55 Kilometern begann der eigentliche Teil des Tages: der Anstieg ins Hochland. In einem kleinen Dorf vor dem Pass versorgte ich mich noch einmal mit ausreichend Wasser und Proviant. Dann warteten 850 Höhenmeter auf 17 Kilometern auf mich – eine echte Herausforderung.

Je höher ich kam, desto beeindruckender wurde die Landschaft. Felswände ragten auf, die Luft wurde klarer, die Aussicht weiter. Kurz vor dem Hochplateau ging es durch einen 5 Kilometer langen Tunnel – ein leicht beklemmendes Erlebnis, aber zum Glück war kaum Verkehr. Danach war ich auf über 1.000 Metern angekommen – und mir blieb regelrecht der Atem weg. Das Panorama war atemberaubend: gewaltige Berge, tiefe Täler und diese Ruhe, wie sie nur in der Höhe zu finden ist.

Ich fuhr weiter durch die Hochebene, über kleine Anstiege und Abfahrten – tief hinein ins Herz des Hochlands. Nach etwa 130 Kilometern checkte ich meine Wetter-App: Es war Regen für die ganze Nacht und den nächsten Morgen angesagt. Ich wollte unbedingt vermeiden, mein Zelt im strömenden Regen aufbauen zu müssen – also machte ich mich auf die Suche nach einem überdachten Platz. Ich fuhr einige Kilometer weiter, fand aber keine alte Baracke oder ähnliches.

Plötzlich sah ich ein Auto, das ich schon auf dem Anstieg einige Male gesehen hatte. Die Männer im Wagen grüßten mich wieder mit einem Hupen und Daumen nach oben. Diesmal hielten sie an einer Raststelle, und ich nutzte die Gelegenheit, sie nach einem trockenen Unterschlupf zu fragen. Ein Hotel kam für mich nicht infrage – und 40 zusätzliche Kilometer bis zum nächsten Ort waren keine Option. Als ich ihnen erklärte, was ich suchte – einfach nur ein trockener Platz für mein Zelt – boten sie mir direkt ihr Gartenhaus an.

Also ging es für mich noch einmal 6 Kilometer zurück – diesmal bergauf. Doch die Mühe lohnte sich: Das Gartenhaus war mit Teppichen ausgelegt, es gab einen Ofen, und die Männer wollten sogar für mich kochen. Ich genoss draußen noch die letzten Sonnenstrahlen mit Blick über die Landschaft, bevor die Gruppe – inzwischen waren auch Cousins und Freunde dazugekommen – mit dem Essen zurückkam.

Wir saßen zusammen, aßen Reis, Fladenbrot, Salat, Lammfleisch und Süßigkeiten. Die Stimmung war herzlich, auch wenn der Raum von Zigarettenrauch durchzogen war – in der Türkei wird leider überall und andauernd geraucht, und das musste ich nun eben aushalten. Trotz der Sprachbarriere – mit Google Translate und ein wenig Deutsch kamen wir gut zurecht. Zwei der Männer sprachen sogar ein bisschen Deutsch, einer von ihnen war sogar gerade aus Deutschland zu Besuch. Er erzählte mir, dass er dort als Schweißer gearbeitet hatte, bis sein Arbeitsplatz gestrichen wurde. Die Arbeit habe ihn körperlich stark belastet – seine Augen, sein Rücken, sein Nacken: alles tat ihm weh. Nun war er in der Türkei, um sich ärztlich durchchecken zu lassen – hier sei das einfacher und schneller, sagte er.

Auch die anderen erzählten von ihrem Leben: Einer war saisonal als Erdbeerbauer tätig, ein anderer hatte kürzlich seinen Job als Koch gekündigt. Ein Dritter arbeitete für die Stadt als LKW- und Gabelstaplerfahrer. Und einer konnte aktuell gar nicht arbeiten – aus gesundheitlichen Gründen. Es war spannend, ihren Geschichten zuzuhören und einen Einblick in ihre Lebensrealität zu bekommen. Ganz unterschiedliche Lebenswege, aber alle verbunden durch Gastfreundschaft, Wärme – und den Wunsch nach einem guten Leben.

Am Ende baute ich mir einen Schlafplatz in der Hütte auf, ein Ofen wurde noch einmal für mich angeheizt, und während draußen der Regen auf das Dach prasselte, schlief ich warm und trocken ein – dank dieser Begegnung, die ich nie vergessen werde.