Eine frostige Nacht und herzliche Gastfreundschaft in Venna
Am Morgen weckte mich gefrorenes Kondenswasser an der Zeltdecke: Die Temperatur war in der Nacht auf – 2 °C gesunken. Selbst auf meinen Fahrradtaschen hatte sich eine dünne Eisschicht gebildet, gespeist von der Feuchtigkeit des nur 15 Meter entfernten Mittelmeers. Doch kaum eroberte die Sonne den Horizont, stiegen die Temperaturen wieder auf ein angenehmes Niveau. Bei strahlendem Licht genoss ich am Strand mein Frühstück aus Keksen und etwas Obst und sammelte ein paar schöne Muscheln als Erinnerung.
Nach dem Zusammenpacken stellte ich erneut fest, dass mein Hinterreifen Luft verlor. Da ich ihn nach der ersten Panne nur mit meiner Handpumpe aufgefüllt hatte, hatte sich durch die holprigen Straßen und steinigen Pisten wieder ein schleichender Durchschlag gebildet. Mein bewährtes Vorgehen lautete: Morgens mit der Handpumpe so weit aufpumpen, dass ich zur nächsten Tankstelle komme, dort den Luftdruck auf 4 Bar bringen und weiterfahren. Nervig, aber bisher erstaunlich zuverlässig.
So führte mich die Route durch die weite Ebene Griechenlands in östlicher Richtung. Bereits auf den ersten Kilometern erlitt ich ein starkes Nasenbluten – wohl eine Kombination aus gereizter Nasenschleimhaut nach der kalten Nacht und einem leichten Sonnenbrand. Glücklicherweise ließ das Blut bald nach, und ich konnte die Fahrt fortsetzen. Die Wege waren abenteuerlich und rüttelten mein Fahrrad heftig durch. An kleinen Dörfern vorbei fielen mir zunehmend muslimische Gebetshäuser auf.
Am Abend erreichte ich Venna und suchte zunächst in der Natur nach einem geeigneten Schlafplatz – jedoch ohne Erfolg. Eine Bäckerei verwies mich schließlich zu einer kleinen Moschee (Mescit), doch dort war niemand anzutreffen. Im Dorf begegnete ich dann zwei Deutschen, die zwanzig Jahre in Hamburg gelebt und nun in ihre Heimat zurückgekehrt waren. Sie erkundigten sich beim örtlichen Imam, ob ich im Gebetshaus übernachten dürfe – und erhielten glücklicherweise Zustimmung.
Zum Fastenbrechen nach Sonnenuntergang lud mich die Familie des Imams zu einem festlichen Mahl ein. Anschließend heizten sie im Gemeinschaftsraum den Ofen an, sodass es dort angenehm warm wurde. Auf den bereitgestellten Gebetsmatratzen schlief ich erschöpft, aber dankbar für diese unerwartete Gastfreundschaft, ein.



