Zwischen Hiroshima und den Reisfeldern
Am heutigen Morgen klingelte mein Wecker bereits um 4:00 Uhr. Da ich niemanden im Hostel stören wollte, hatte ich meine Taschen und meine Ausrüstung bereits am Vorabend aus dem Zimmer geräumt. So musste ich am Morgen nur noch alles an seinen richtigen Platz packen und am Fahrrad befestigen. Nach einem kleinen Frühstück war ich um 5:30 Uhr startklar und fuhr noch vor Sonnenaufgang los.
Hiroshima war um diese frühe Uhrzeit am Sonntagmorgen nahezu menschenleer. Nur vereinzelt begegneten mir noch Menschen, die offenbar gerade vom Feiern nach Hause kamen. So konnte ich ganz entspannt durch die Stadt fahren und mich anschließend weiter Richtung Norden bewegen.
Komoot führte mich dabei immer wieder über kleine Nebenstraßen und Wege, die weit abseits der großen Hauptstraßen verliefen. Das war mir sehr recht, denn viele der größeren Straßen hatten keinen Seitenstreifen und waren durch den Verkehr mit Autos und Lastwagen für mich als Radfahrer deutlich unangenehmer und gefährlicher.
Allerdings waren manche dieser kleinen Wege offenbar schon lange nicht mehr in dem Zustand, in dem sie einmal auf der Karte eingezeichnet worden waren. Mehrmals stand ich plötzlich vor einer Sackgasse oder einem Weg, der praktisch nicht mehr existierte. Zum Glück musste ich meistens nur wenige hundert Meter zurückfahren und konnte anschließend eine andere Route finden.
Gerade durch diese kleinen Umwege entdeckte ich aber auch einige wunderschöne Ecken. Ich fuhr durch sehr ursprüngliche Landschaften, vorbei an kleinen Bächen und durch dichtes Grün. Immer wieder sah ich Schlangen, Frösche und unzählige Libellen. Dazu kamen die vielen Reisfelder und kleinen Dörfer, durch die ich unterwegs fuhr. Genau diese unerwarteten Eindrücke machen für mich das Radreisen so besonders.
Zum Mittag machte ich wie so oft in Japan Halt bei einem 7-Eleven und holte mir ein Fertiggericht. Eine Sache fiel mir auf dieser Etappe besonders auf: die unglaubliche Anzahl an Brücken. Irgendwann hatte ich aufgehört zu zählen. Japan scheint an vielen Stellen geradezu von Brücken durchzogen zu sein – ohne sie wäre manche Region wahrscheinlich nur mit dem Boot erreichbar.
Nach ungefähr 110 Kilometern machte ich noch einmal eine längere Pause und aß erneut meine Fertignudeln. Anschließend lagen noch rund 40 Kilometer vor mir. So fuhr ich weiter, bis ich schließlich an einem Fluss einen schönen Platz für mein Zelt fand.
Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, ging ich erst einmal in den Fluss und badete mich. Nach einem langen Tag auf dem Fahrrad war das eine wohltuende Abkühlung und gleichzeitig meine Dusche für den Abend.
Anschließend kochte ich mir meine Nudeln und konnte dazu sogar mein inzwischen sehr lieb gewonnenes Barilla-Pesto verwenden, das ich zufällig in einem größeren Supermarkt entdeckt hatte. Mit einem einfachen, aber leckeren Abendessen ließ ich den Tag ausklingen.
Nach insgesamt rund 150 Kilometern war ich ziemlich müde. So dauerte es nicht lange, bis ich in meinem Zelt lag und einschlief – bereit für die nächste Etappe durch Japan.












